90.+9: Schalke verliert, Schalke tobt

von Redaktion

S04 unterliegt Frankfurt durch den spätesten Elfmeter der Bundesliga-Historie

VON THOMAS LIPINSKI

Gelsenkirchen – Mit hochrotem Kopf lief Huub Stevens dem Schiedsrichter hinterher, trat wutentbrannt einen Bierbecher in die Luft und schimpfte wie ein Rohrspatz. Nach dem spätesten Elfmeter in der Bundesliga-Geschichte (90.+9) war der Interimstrainer von Schalke 04 in Rage. „Wenn die ganze Welt gegen uns ist, dann ist es geil, dagegen anzukämpfen“, sagte der 65-Jährige, als er sich nach dem denkwürdigen 1:2 gegen Eintracht Frankfurt wieder ein wenig beruhigt hatte.

Sascha Stegemann hatte der Niederländer als Ziel seines Zorns ausgesucht. Der Referee aus Niederkassel hatte nach einem Handspiel von Daniel Caliguiri in der Nachspielzeit und Videobeweis auf Strafstoß gegen den abgestürzten Vizemeister entschieden – und Luka Jovic mit seinem Tor in der 99. Minute den Abstiegskampf der Schalker wieder verschärft. „Eine Frechheit“ nannte Sportvorstand Jochen Schneider die Entscheidung – und „einen kapitalen Fehler des Videoschiedsrichters“.

Selbst Frankfurts Trainer Adi Hütter, der nach dem sechsten Bundesligasieg in Folge eigentlich freudestrahlend die Champions League in den Blick nehmen könnte, hatte Mitleid. „Ich kann mit Schalke mitfühlen“, sagte der Österreicher.

Dabei hatten Stegemann und die Videoassistenten Martin Petersen und Tobias Reichel in der spielentscheidenden Szene alles richtig gemacht. Caligiuri war der Ball nach einem Schuss von Filip Kostic an den ausgestreckten Arm gesprungen. Die Schalker sahen die Schuld für die unnatürliche Körperhaltung allerdings bei Eintracht-Kapitän David Abraham. „Er hat ihm einen Schubs gegeben“, meinte Stevens, und Schneider assistierte: „Deshalb ist er aus dem Gleichgewicht gekommen.“

Der „weggenommene“ Punkt, so Schneider, tat Schalke nicht nur weh, weil der Relegationsplatz nach der neunten Heimniederlage sechs Runden vor Schluss nur noch fünf Zähler entfernt ist. Sondern vor allem, weil der aufopferungsvolle Kampf nicht belohnt wurde. Es lief am Ende einfach alles gegen Schalke. Ein Foul von Suat Serdar, bis dahin der beste Schalker Feldspieler, wurde mit der Gelb-Roten Karte bestraft (90.+4). Der anschließende Freistoß machte dann die turbulente Schlussszene erst möglich.

Serdar, der mit seinem Ausgleich zum zwischenzeitlichen 1:1 (21.) 392 Bundesliga-Minuten ohne Heimtor beendet hatte, wird Schalke am Freitag im nächsten Abstiegsendspiel beim 1. FC Nürnberg fehlen. Besonders bitter, weil der Ex-Mainzer nach monatelang schwachen Leistungen unter Stevens aufgeblüht ist.

Die Frankfurter, die am Donnerstag als letzter deutscher Club im internationalen Geschäft im Viertelfinale der Europa League bei Benfica Lissabon antreten, waren durch Ante Rebic früh in Führung gegangen (13.). Nach dem ersten Gegentor nach 500 Pflichtspielminuten hatten sie allerdings ihre Dominanz und ihren Rhythmus verloren.

Dank des „glücklichen Sieges“ (Hütter) stellten sie dennoch eine Bestmarke ihrer Clubgeschichte auf. Aber die sechs Dreier in Serie sind für den Trainer schon Vergangenheit, ihn interessiert nur die Zukunft: „Wir wollen so viele Punkte holen, dass unser Traum von der Champions League lebt. Das ist wichtiger als der Vereinsrekord.“

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