München – Der Rummel war beträchtlich, aber das ist er ja gewohnt, der schillernde Star des heutigen Löwen-Gegners Sonnenhof Großaspach. Ja, trotz trüben Wetters standen die Fans am Freitag Schlange, als Schlager-Millionärin Andrea Berg auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums unweit ihrer Heimat auftrat – und bei diesem Anlass feierlich ihre neue CD präsentierte. „Mosaik“ heißt die – und wüsste man es nicht besser, könnte man annehmen, dass sie sich bei ihren Liedtexten vom TSV 1860 hat inspirieren lassen, den sie beim 2:2 im Hinspiel mit ihrer Anwesenheit beehrt hatte.
„Ich bin frei, ohne Wenn und Aber“, singt Andrea Berg im Titelsong ihres Albums: „Pfeif’ auf das Gezeter und Gelaber.“ Ein Motto, an dem sich auch das 1860-Präsidium orientiert, das sich zunehmend von Investor Hasan Ismaik emanzipiert – und die verzweifelten Rufe derjenigen ignoriert, die sich mehr Perspektive wünschen, einen üppigeren Etat und auch nächstes Jahr eine konkurrenzfähige Mannschaft.
Die jüngste Kapriole im wirren 1860-Theater: Es gibt einen neuen Dreijahresplan, wie Robert Reisinger andeutete, er scheint aber nicht mit Trainer und Sportchef abgestimmt zu sein. „Ich weiß noch nicht, wie der Dreijahresplan aussehen soll“, sagte Daniel Bierofka gestern: „Ich habe den Günther (Gorenzel) gefragt – er weiß auch noch nichts. Wir müssen abwarten, bis wann uns das im Detail mitgeteilt wird. Momentan weiß ich nur, was wir die nächste und übernächste Saison zur Verfügung haben.“ Das Präsidium scheint hier wie Andrea Berg zu verfahren, die auch drei ihrer neuen Songs bis zur CD-Präsentation am Freitag geheim hielt.
Zwei andere Lieder auf dem Album könnten auf Efkan Bekiroglu gemünzt sein, der beim 1:1 in Braunschweig die Rote Karte gesehen hatte – nach einer Spuckattacke gegen Provokateur Benjamin Kessel. Der Titel: „Du musst erst fallen.“ Und auch: „Steh auf.“ Analog zu Sportchef Gorenzels Aussage in Richtung des für drei Spiele gesperrten Deutschtürken: „Man darf den Efkan jetzt nicht stigmatisieren.“ Es könnte den Löwen eh schwerfallen, den kreativsten Spieler des Kaders zu ersetzen. Denkbar ist, dass Bierofka das System anpasst (4-1-4-1) und neben Aaron Berzel auch den jungen Dennis Dressel bringt. „Ja, würde ich mich trauen“, sagte der Coach zur Einsatzchance für den U 21-Kapitän: „Er hat eine brutale Entwicklung gemacht – vor allem von der Persönlichkeit her.“ Getreu dem Berg-Song: „Geh deinen Weg!“ Dressel könnte auch deshalb zur Option werden, weil in Nico Karger (Adduktoren) und Prince Owusu (Gelbsperre) zwei weitere Löwen-Profis mit überdurchschnittlicher Technik ausfallen.
Und wie ist das mit den sportlichen Ambitionen im Endspurt dieser Saison? Ismaik hatte ja dieser Tage von Reisinger verlangt, die Arbeit von Bierofka mehr zu würdigen. Etwa so wie im neunten Berg-Song auf der CD: „Danke, dass es dich gibt!“ Passend auch das Ende des Titelsongs: „In jedem Scherbenmeer seh’ ich ein Mosaik – bunt und schön wie das Licht.“ Weil der ehrgeizige Coach den Trümmerhaufen, den er vor zwei Jahren vorfand, auf Platz sechs der 3. Liga geführt hat. Zu den Aussichten für die aktuelle Restsaison sagte Bierofka gestern: „Platz vier wird jetzt extrem schwer. Das ist aber auch nicht unser primäres Ziel, denn erst mal wollen wir den Klassenerhalt endgültig sichern.“
Bei elf Punkten Rückstand verbietet sich jeder Blick auf Platz drei – dazu müsste man schon einer der dunkelblauen Optimisten sein, die sich in einem anderen Berg-Song wiederfinden könnten. Titel: „Die geheimen Träumer.“