Unterhaching/Innsbruck – Als Douglas da Silva die MVP-Plakette zum wertvollsten Spieler der Alpenvolleys Haching entgegen nahm, gönnte ihm Manager Hannes Kronthaler dies natürlich. Schließlich hatte der Brasilianer sein Team als vorbildlicher Kapitän zum 3:1 (20:25, 25:19, 25:16, 25:16)-Sieg über Herrschings Volleyballer geführt, der den Einzug ins Bundesliga-Playoff-Halbfinale bedeutete. Trotzdem wäre Kronthalers Wahl eine andere gewesen: „Der Niklas hat die Wende gebracht, das war für mich der MVP.“
Der Niklas: Das ist Kronthalers Sohn. Doch die Meinung des Managers gründete nicht auf Familienbande, sondern auf Fakten. Als beim 10:17 im ersten Satz das Aus drohte, kam Kronthaler junior für Hugo de Leon, prompt gewannen die Alpenvolleys die Durchgänge zwei bis vier souverän. „Im ersten Satz war es das gleiche Chaos wie im zweiten Spiel. Die Annahme hat überhaupt nicht funktioniert. Niklas hat sie stabilisiert, die Partie gerettet, und wahrscheinlich auch den ganzen Verein“, verriet Hannes Kronthaler.
Denn besagte 2:3-Pleite im zweiten Viertelfinale habe bei ihm grundsätzliche Fragen aufgeworfen, verriet der Manager: „Ich habe zwei Tage überlegt: Was mache ich, wenn wir rausfliegen? Dann wäre ein Jahr verloren gewesen. Und ich habe für das Halbfinale Super-Veranstaltungen für die Innsbrucker geplant, bei denen sie sehen können, was wir hier machen.“
Ein Ausscheiden hätte zudem persönliche Auswirkungen gehabt. „Als guter Manager hätte ich eigentlich auch den Trainer entlassen müssen. Denn es wäre eine Schmach gewesen, im Viertelfinale rauszufliegen, wenn du fast die ganze Hauptrunde führst“, sagte Kronthaler, der mit Coach Stefan Chrtiansky aber schon so lange eng und erfolgreich zusammenarbeitet, dass er im gleichen Atemzug klarstellte: „Ich hätte mir das nicht angetan mit einem neuen Trainer, dann hätte ich wahrscheinlich eher aufgehört.“
Und so war die Erleichterung des 53-Jährigen groß: „Gottseidank stellen sich diese Fragen nicht.“ Dass dies mit Niklas Kronthaler ausgerechnet jenem Spieler zu verdanken war, der bislang im Schatten stand, auch weil er im Herbst bereits die vierte Operation seiner Karriere über sich hatte ergehen lassen müssen (diesmal wegen eines Bandscheibenvorfalls), mache die Sache zu einer besonderen. Weniger die familiäre Beziehung. „Ich denke nicht, dass er mein Sohn ist, sondern, dass er ein Spieler ist, der sich nach einer Verletzung zurückgekämpft hat, für einen Leistungsträger zum Einsatz kommt – und dann die ganze Partie reißt.“ Ganz auszublenden ist der verwandtschaftliche Aspekt aber nicht. „Natürlich habe ich immer seinen Frust mitbekommen“, sagte Kronthaler senior. Und: „Der Dank des Vaters ihm gewiss.“