Stuttgart – Auswärtspunkt geholt, Sportchef gefunden, Mut getankt – von einem rundum zufriedenen Wochenende war der 1. FC Nürnberg nach dem 1:1 beim VfB Stuttgart dennoch weit entfernt. Die vor gut einer Woche schon abgeschriebenen Franken bleiben im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga vier Punkte hinter Stuttgart und dem Relegationsrang. „Sechs Spiele haben wir noch, es ist alles drin“, sagte Verteidiger Lukas Mühl.
Womöglich gibt eine Personalentscheidung aus der Vereinsführung der Truppe zusätzlichen Schwung: Nach zweimonatiger Suche präsentierte der Club am Samstagabend Robert Palikuca – bislang Kaderplaner bei Fortuna Düsseldorf – als neuen Sportvorstand.
Aufsichtsratschef Thomas Grethlein zeigte sich erfreut, „einen jungen, ehrgeizigen Mann gefunden zu haben, der für sein Alter aber schon über viel Erfahrung im Profi-Fußball verfügt“. Palikuca war in seiner aktiven Zeit unter anderem für Düsseldorf und St. Pauli am Ball. Bei den abstiegsbedrohten Nürnbergern folgt er auf Andreas Bornemann, von dem sich Nürnberg im Februar ebenso getrennt hatte wie von Cheftrainer Michael Köllner. Damals war geplant, dass ein neuer Sportchef auch einen neuen Coach holt– ob das nun passiert oder Boris Schommers die Saison zu Ende machen darf, das war zunächst offen.
Vier Punkte aus zuletzt zwei Partien und der Trend nach oben sprechen für die aktuelle Konstellation. „Wer unsere Leistung heute gesehen hat, wird sehen, dass wir weiter an uns glauben“, sagte Torhüter Christian Mathenia, der nur von Ozan Kabak in der 75. Minute bezwungen worden war. Matheus Pereira (42.) hatte die Nürnberger vor der Pause verdient in Führung geköpft. In der 90. Minute hatte der eingewechselte Virgil Misidjan die Chance zum Siegtreffer, scheiterte aber am starken VfB-Schlussmann Ron-Robert Zieler.
„Jeder weiß, dass wir gewinnen hätten müssen. Wir hatten auch die Chancen“, sagte Abwehrspieler Robert Bauer. „Man muss trotzdem sagen: Wir treten gut auf. Aber es sind nur noch sechs Spiele. Wir brauchen Punkte. Gutes Auftreten reicht nicht.“ Im Abstiegsduell am Neckar waren die Nürnberger trotz personeller Probleme gut im Spiel, zeigten ein diszipliniertes Auftreten in der Defensive und hatten vorne Torchancen. „Wir hätten einen Auswärtssieg verdient gehabt“, meinte Coach Schommers.
Am Freitag will das Team gegen Schalke 04 nachlegen. „Dann könnten wir den Druck erhöhen auf die Stuttgarter“, blickte Bauer voraus. Bei einen Nürnberger Sieg und einer VfB-Niederlage gegen Leverkusen könnten die Franken bis auf einen Punkt an den zur Relegation berechtigten 16. Platz heranzurücken. dpa