Roter Machtbeweis

von Redaktion

Kovac als Gewinner der BVB-Demontage – doch es gibt keine Jobgarantie

VON ELISABETH SCHLAMMERL

München – Den Beweis, dass er noch zu Höchstleistungen fähig ist, lieferte Niko Kovac kurz vor der Halbzeit. Der Trainer des FC Bayern schraubte am Spielfeldrand seinen drahtigen Körper nach oben, weit nach oben, und vereinte Eleganz und Dynamik. Dieser emotionale Ausbruch nach dem dritten Tor der Münchner an diesem Samstagabend gegen Borussia Dortmund war ein Akt der Befreiung, zu vergleichen mit dem Gesamtauftritt der Mannschaft in diesem Gipfeltreffen in der Allianz Arena. „Man sieht“, sagte er später, „dass ich noch hoch springen kann.“

Der deutsche Rekordmeister auch. Der 5:0-Sieg gegen den bisherigen Tabellenführer war mehr als eine Machtdemonstration. Als „Statement“ bezeichneten Thomas Müller und Kovac die Vorstellung, mit dem die Routiniers des FC Bayern die Jungspunde aus Westfalen entzauberten. Joshua Kimmich sprach von einem „Zeichen für die anderen Mannschaften, dass die Dortmunder verwundbar sind“.

Sechs Spieltage vor Ende der Saison ist zwar noch nichts entschieden im Meisterschaftsrennen. Ein Pünktchen und stattliche 15 Tore sind die Münchner nun dem Herausforderer voraus, aber die Auftritte der Bayern waren bisher nicht so konstant, als dass die Dortmunder davon ausgehen müssten, der neue Spitzenreiter sei unangreifbar. Auf der anderen Seite ahnt man beim BVB, dass die deftige Niederlage Spuren hinterlassen wird. „Der Zweikampf geht weiter“, sagte der zweifache Torschütze Robert Lewandowski. Und Kapitän Manuel Neuer sieht bis Saisonende Mitte Mai „nur noch Finals“ auf die Mannschaft zukommen.

Die Bayern meisterten dank Erfahrung, Wille und einer besseren taktischen Ausrichtung mit dem überragenden Javier Martinez als Stabilisator im defensiven Mittelfeld die Herausforderung. Der Spanier wurde bei seiner Auswechslung mit Standing Ovations bedacht. Später verlängerte er die Siegesfeier mit ein paar Kollegen in einem Club am Englischen Garten.

Die Party hatte erst einmal nichts mit dem Gipfeltreffen zu tun, wobei es sich sehr viel launiger feiern ließ nach dem 5:0-Sieg. Sie war von Münchens Innenverteidiger Jerome Boateng schon weit im Vorfeld anlässlich der zweiten Ausgabe seines Magazins „BOA“ organisiert worden. Und doch spielte sie vor und auch noch nach der Partie gegen den BVB eine Rolle – als eine jener „Nebensächlichkeiten“, deren große öffentliche Bedeutung Bayern-Trainer Kovac beklagte.

Der Kroate, der bisher in München alle Probleme und die Tadel von außen weggelächelt hatte, schaltete ausgerechnet nach dem Sieg gegen den BVB in den Angriffsmodus. Es werde sich zu wenig mit Fußball beschäftigt, kritisierte er. Die Trainer seien diejenigen, „die es abbekommen“.

Tatsächlich hat Kovac zuletzt wieder ein bisschen mehr abbekommen. Er darf sich deshalb als großer Gewinner des Abends fühlen. Kovac ist, das hat er bereits bei Eintracht Frankfurt bewiesen, ein guter Trainer, aber der FC Bayern will und braucht eben einen sehr guten. Es hat in dieser Saison immer wieder einmal Zweifel bei den Verantwortlichen gegeben, ob Kovac die hohen Qualitätskriterien erfüllen kann. Auch der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge konnte die bei Sky am Sonntag nicht ganz ausräumen. „Es gibt bei Bayern München für niemanden eine Jobgarantie“ erklärte er. „Jeder muss liefern. Das ist das Prinzip bei Bayern München, und mit diesem Druck muss man umgehen. Wer das nicht kann, ist dann im falschen Club.“ Aus Vereinskreisen war zu erfahren, dass Kovac nur bleiben darf, wenn er mindestens den Meistertitel holt.

Er hatte bis Samstag in München nicht unter Beweis gestellt, auch Gegner auf Augenhöhe besiegen zu können. Für das ermauerte 0:0 in Liverpool Ende Februar war Kovac zurecht gelobt worden, weil aber in der zweiten Champions-League-Partie gegen Jürgen Klopps Engländer die Mannschaft Esprit und Mut vermissen ließ sowie dem Trainer vor allem eine klare Spielidee fehlte, zählt der gute Auftritt an der Anfield Road schon nicht mehr viel. Nach dem beschwingten Sieg im Gipfeltreffen dürfte nun wieder der gute Eindruck von Kovac überwiegen. Für den Moment jedenfalls.

Artikel 1 von 11