München – Auf einmal lachte die Olympia-Eishalle. Die Eishockeyspieler des EHC München und der Augsburger Panther waren nach dem zweiten Drittel gerade in den Kabinen verschwunden, da las Stefan Schneider, der Münchner Stadionsprecher, ein Zwischenergebnis aus dem ersten Sonntagsspiel der Fußball-Bundesliga vor. Der Spielstand: Hoffenheim eins, Augsburg null. Die Fans lachten, kurz und gehässig.
In dieser innerbayerischen Halbfinalserie der DEL wird eben gerne gestichelt – und es wird auch gerne über diese Sticheleien gelacht, obwohl ihnen, wie auch an diesem Sonntag, manchmal die Kreativität fehlt. Im Augsburger Block dürfte es nur die allerwenigsten Fans gestört haben, dass die Fußballer aus ihrer Stadt am Ende sogar 0:4 verloren haben. Und lachen durften sie später auch noch. Am Ende eines erneut dramatischen Eishockeyspiels siegte ihre Mannschaft, was auf das Zwischenergebnis der Halbfinalserie übertragen bedeutet: Augsburg zwei, München eins.
Dem EHC München vergeht das Lachen gerade. Er, der Titelverteidiger, liegt gegen eine Mannschaft aus Augsburg zurück, die mit vielen Millionen Euro weniger zusammengestellt wurde als die eigene. Dummerweise aber tritt diese Mannschaft mit einem Spielkonzept an, an dem München bisher ein wenig verzweifelt. Schon im ersten Aufeinandertreffen siegte der EHC erst in der dritten Verlängerung, in der 103. Minute. In den nächsten beiden hat er aber verloren – am Sonntag in einer erneuten dritten Verlängerung, dieses Mal in der 104. Minute, 1:2, obwohl er in dieser Zeit gleich 71 Mal aufs Augsburger Tore geschossen hatte. Warum aber ging nur einer rein?
Es war der Münchner Stürmer Yasin Ehliz, der das noch am Sonntagabend zu erklären versuchte: „Die stehen ziemlich eng vor dem eigenen Tor, wenn dann mal einer durchkommt, hat ihn der Torwart – und der Rebound springt momentan auch nicht wirklich für uns.“
Es stimmt natürlich, dass die Augsburger die Zone vor ihrem Tor geschickt versperren, der kanadische Keeper Olivier Roy hält zudem in der Tat fantastisch. Es fehlt dem EHC aber auch an kreativen Ideen. Sie schießen immer wieder aus Positionen, die, so sagt es zumindest die Statistik, nicht sehr erfolgsversprechend sind. Besonders in Überzahl holpert es nach wie vor. Am Sonntag traf der Kanadier John Mitchell zwar bei Fünf-gegen-Vier, doch in den Playoffs hat der EHC in insgesamt 50 Powerplay-Situationen nur sechs Tor geschossen. Die Erfolgsquote: 12,0 Prozent, von den verbliebenen vier Mannschaften im DEL-Halbfinale ist keine schlechter.
Ein paar Einfälle, das deuteten die Münchner Protagonisten an, haben sie aber schon noch. Der Trainer Don Jackson etwa forderte, vor Augsburgs Tor mehr „Chaos“ zu erzeugen – mit vielen Spielern und Stöcken, die Roy die Sicht versperren. Im Eishockey, so sagte es Jackson, entstehen auf diese Weise zwei von drei Toren. Und als müsste er das unbedingt betonen, sagte Jackson: „Es herrscht bei uns keine Panik.“