München – Beweise dafür, dass der FC Hollywood auch im Jahre 2019 weiterlebt: Der Bayern zerlegt Dortmund 5:0, übernimmt die Tabellenführung in der Bundesliga – und in den Tagen darauf wird wieder über den Trainer diskutiert. Zuerst verkündete der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge, dass es für Niko Kovac keine Jobgarantie gebe – und befeuerte damit die Spekulationen um die Zukunft des Coaches in München über die Saison hinaus. Gestern meldete sich dann Präsident Uli Hoeneß zu Wort und versuchte, die Lage zu beruhigen. „Wie soll ich denn mit jemandem zusammenarbeiten, den ich bei jeder Gelegenheit infrage stelle? In so einem Spannungsfeld, wie unser Trainer in den letzten Wochen gelebt hat, kann man auf Dauer nicht vernünftig arbeiten“, sagte Hoeneß im „kicker“.
Eine Teilschuld an der Diskussion um seine Person nach dem Bundesliga-Gipfel daran trägt aber auch Niko Kovac selbst, schließlich hatte er sich direkt nach Schlusspfiff zu einem flammenden Plädoyer für seinen Berufsstand verleiten lassen, der seiner Meinung nach viel zu schlecht wegkommt. Stichwort: „Wenn du gewinnst, hast du nichts richtig gemacht. Wenn du verlierst, hast du alles falsch gemacht.“
Kovacs Ausraster zielte vordergründig auf die Medien, die bildeten vor der Partie gegen den BVB allerdings nicht nur die eigene Meinung, sondern auch die von Hoeneß ab. Und der hatte – Stichwort: gewinnen oder verlieren – vor Anpfiff gegen die Schwarz-Gelben Folgendes zum Besten gegeben: „Am Samstag, 18.30 Uhr, darf es keine Ausreden geben. Da muss geliefert werden. An eine Niederlage denke ich gar nicht. Wir müssen gewinnen, dazu gibt es für mich keine Alternative.“
Nach der Gala in der Allianz Arena relativierte Hoeneß seine Aussagen. Er habe mit dieser Forderung „nicht unseren Trainer gemeint, sondern ausdrücklich die Mannschaft“, sagte er. Während Rummenigges Ausführungen bei Sky („Jeder, der bei Bayern München angestellt ist, muss liefern. Wer mit diesem Druck nicht umgehen kann, ist falsch bei diesem Club“) am Sonntag getrost als Probezeit für Kovac bis Ende dieser Saison interpretiert werden kann, will der Präsident die Weiterbeschäftigung nicht vom Titelgewinn abhängig machen. „Selbst wenn wir Zweiter würden, ist das doch kein Desaster“, findet Hoeneß. „Wenn ich unzufrieden bin, heißt das noch lange nicht, dass wir den Trainer rausschmeißen, Man kann trotzdem kritisch miteinander umgehen.“
Ob das auch Rummenigge so sieht? Mit einem hat der Münchner Vorstandsboss jedenfalls recht. Über den BVB, der vor der Saison im Stillen Matthias Sammer als externen Berater verpflichtet hatte, sagte er: „Das gefällt mir an Dortmund, dass man in aller Ruhe und Diskretion so etwas vorbereitet. Das muss man bei uns verbessern.“ So ist es nun mal beim FC Hollywood.