Paris – Eric Maxim Choupo-Moting blickte hilfesuchend in den Pariser Nachthimmel, Kylian Mbappe drehte sich mit entgeistertem Gesicht in Richtung seiner Mitspieler. Nach einem „unglaublichen“ Fehlschuss, „der in die Geschichte eingehen wird“ („L’Equipe“), klammerte sich der schockierte Choupo-Moting ans Tornetz.
Was wenige Augenblicke zuvor geschehen war, sorgte zunächst für Entsetzen im Pariser Prinzenpark. Als Christopher Nkunku von Paris St. Germain den Ball gefühlvoll über den gegnerischen Torwart gehoben hatte, traf der vor dem Tor lauernde Choupo-Moting eine folgenschwere Entscheidung. Anstatt den Ball einfach ins leere Tor laufen zu lassen, touchierte er ihn mit dem linken Fuß derart ungeschickt, dass dieser entlang der Torlinie an den Innenpfosten trudelte. Der Kameruner landete im Netz, der Ball nicht. Die Meisterfeier: verschoben. Der Platz in sämtlichen Jahresrückblicken: gesichert.
Nach Spielende versuchte der frühere Bundesliga-Profi, das Unerklärliche zu erklären. „Es ging sehr schnell, ich dachte daran, vielleicht im Abseits zu stehen, ich wollte meinem Mitspieler nicht das Tor stehlen“, sagte Choupo-Moting. Kopfschüttelnd und schulterzuckend beschrieb der Angreifer die kuriose Szene aus der 24. Minute immer und immer wieder. Ein „schlechter Reflex“ sei es gewesen, sagte er, „das ist schwer zu erklären“.
Choupo-Moting bat um Entschuldigung, Thomas Tuchel lächelte die Slapstick-Einlage dagegen einfach weg. „Das war die Möglichkeit zum 2:1, und dann hat er das getan. Ich weiß nicht, warum. Das war wohl Murphys Gesetz“, sagte der PSG-Trainer. Mit der „Rettungsaktion“ vor dem falschen Tor sicherte er sich unfreiwillig die Schlagzeilen. Vor allem in Frankreich zierte der Fehlschuss des 30-Jährigen die Titelseiten. „Unwahrscheinlich, surreal, unsinnig“, schrieb „Le Figaro, ein „unglaublicher Schnitzer, der hervorsticht und irritiert“. Auch im Netz verbreitete sich die Szene schlagartig, Hohn und Spott waren garantiert.
Zunächst hatte alles nach einem vielversprechenden Abend für Choupo-Moting ausgesehen, er war auf dem besten Wege, PSG vorzeitig zum Titel zu führen, weil er zum 1:0 gegen Racing Straßburg getroffen hatte. Sein Blackout verhinderte beim Stand von 1:1 allerdings die Pariser Führung. Nuno da Costa und Anthony Goncalves drehten die Partie noch zugunsten der Gäste. Nationalspieler Thilo Kehrer sicherte PSG noch einen Punkt. Das Spiel endete 2:2.
Erleichternd für Choupo-Moting: Sein Fauxpas hat keine schwerwiegenden Folgen. Paris steht weiter mit 20 Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze der Ligue 1. Schon am Sonntag kann die Titelparty beim OSC Lille nachgeholt werden. So kurios die Szene war, selbst Choupo-Moting dürfte schon bald darüber schmunzeln können.