Ein deutscher Welt-Botschafter

von Redaktion

Dirk Nowitzki hat noch nicht entschieden, ob er seine Karriere nach dem letzten NBA-Saisonspiel in der Nacht zu Donnerstag endet oder doch noch ein Jahr dranhängt. Sollte seine Laufbahn vorbei sein, wäre es ein großer Verlust – auch für den deutschen Sport.

Dallas – Felix Neureuther muss nicht lange überlegen, um für Dirk Nowitzki den richtigen Platz in der deutschen Sportgeschichte zu finden. „Für mich gibt es Max Schmeling, Armin Hary, Boris Becker, den Kaiser Franz Beckenbauer, Michael Schumacher – und Dirk Nowitzki. Die stehen auf einer Stufe“, sagte der gerade zurückgetretene Alpin-Star. Sie alle sind nicht mehr aktiv, bis auf Nowitzki, 40. Ob der Basketball-Superstar seine Karriere beendet, will er mit ein wenig Abstand erst im Sommer entscheiden. Es wäre ein großer Verlust, auch für den deutschen Sport, sollte er in der Nacht zu Donnerstag in San Antonio letztmals für die Dallas Mavericks spielen.

„Er ist der weltweite deutsche Superstar“, sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann. Obwohl Nowitzki seit mehr als zwei Jahrzehnten in Texas lebt, sei er „uns gedanklich und menschlich näher, als mancher, der viel näher da ist“. Auch Neureuther sagte: „Dirk Nowitzki ist für mich ein absoluter Gott. Er ist ein ganz großer Sportler, nicht nur was das Sportliche betrifft, sondern auch das Menschliche. Das ist für mich das entscheidende.“

Das Ansehen von Nowitzki auch unter den deutschen Athleten ist enorm. Fußballer Toni Kroos von Real Madrid bezeichnet sich selbst als „einen der größten Fans“ des Würzburgers und stand regelmäßig nachts auf, um die Spiele der Mavs zu verfolgen. Er ist nicht der Einzige.

Nowitzki hat sich diese Würdigungen mit Bodenständigkeit und harter Arbeit verdient. Gehälter von vielen Millionen US-Dollar seit 1998 stiegen dem 2,13-Meter-Hünen nie zu Kopf. Für die Nationalmannschaft spielte er bis 2015 trotz enormer Belastungen in den USA noch gerne. Über die Jahre stieg er zum besten Europäer auf, der je in der NBA spielte. Der Gewinn der Meisterschaft mit den Mavs 2011 und die Olympia-Teilnahme mit Deutschland 2008 in Peking nennt er selbst als sportliche Glanzlichter seiner Karriere.

„Er hat Basketball verändert. Was er für den Basketball getan hat in Deutschland und auf der Welt, ist Wahnsinn“, sagte Dennis Schröder. Der Point Guard der Oklahoma City Thunder hat Nowitzki zwar sportlich den Rang als aktuell bester Deutscher abgelaufen und ist der Kopf des Nationalteams, sieht sich aber nicht auf einer Stufe mit ihm: „Er ist ein deutsches Aushängeschild.“

Schröder hofft wie mittlerweile auch einige Experten, dass Nowitzki vielleicht doch noch eine Saison dranhängt. Er habe „ein Jahr in sich“, sagte der 25-Jährige und fand Zustimmung auch bei Neureuther: „Der kann doch noch ein paar Jahre spielen, der ist doch noch jung.“ Sollte sich Nowitzki tatsächlich gegen einen Rücktritt entscheiden, würde im Herbst seine 22. Saison in der stärksten Liga der Welt anstehen. Ein Wechsel zu einem anderen Club gilt als ausgeschlossen, Dallas ist und bleibt sein Lebensmittelpunkt.

Trotzdem soll Nowitzki dem deutschen Sport verbunden bleiben. „Wenn es irgendeine Möglichkeit geben sollte, was sicher mit seiner grundsätzlichen Lebensplanung zusammenhängt, möchte ich ihn nicht nur als deutschen Sportbotschafter in Amerika gewinnen“, sagte Hörmann: „Es gibt sicher nichts, worüber wir nicht mit ihm reden würden. Es wäre sicher grandios, hängt aber von seiner weiteren Lebensplanung ab.“

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