Kampf an allen Fronten

von Redaktion

Kovac muss bei Bayern in einem großen Spannungsfeld zurechtkommen

VON MANUEL BONKE

München – Die ersten Anzeichen einer neuen Uneinigkeit beim FC Bayern gab es bereits im Rahmen des Champions-League-Spiels in Liverpool. Während sich Präsident Uli Hoeneß noch vorm Abflug klar dagegen positionierte, dass der Spielverlauf nichts mit der Arbeit des Trainers zu tun hätte, erklärte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nach dem 0:0 an der Anfield Road: „Es war ein wichtiges Spiel für Niko. In der K.o.-Phase der Champions League kommen ja die großen Kracher, wo man dann auch als Trainer taktisch Einfluss nehmen kann.“ Kein Wunder, dass Rummenigge vom Angsthasen-Auftritt vor eigenem Publikum im Rückspiel auch heute noch geschockt ist. In der Sky-Sendung „Wontorra“ meinte er: „Wir haben das Rückspiel nicht ausreichend mit Mut und Herz gespielt. Der Spiel-Stil war bei Bayern immer dominant und sehr offensiv ausgerichtet.“ Wenige Minuten nach dieser Aussage verweigerte Rummenigge Kovac eine Job-Garantie.

Es dauerte keine 24 Stunden, bis Kovac via „kicker“ Rückendeckung von Hoeneß erhielt. Im Verhältnis zu Kovac „war immer alles okay“, sagte der Präsident. Warum Hoeneß als großer Kovac-Befürworter gilt, liegt auf der Hand: Im März 2018 wollten die Bosse die Verpflichtung von Thomas Tuchel finalisieren, doch beim entscheidenden Telefonat erklärte Tuchel den Münchnern, dass er mittlerweile Paris Saint-Germain zugesagt habe. Vor allem wegen Hoeneß’ Skepsis gegenüber dem Übungsleiter zogen sich die Vorgespräche in die Länge. So fiel die Wahl letztendlich auf Kovac.

Vor allem in den sozialen Medien regt sich schon seit einiger Zeit Widerstand gegen die Arbeit von Kovac. Unter dem Hashtag #KovacOut gibt es viel überzogene, aber eben auch fundierte Kritik, aber eben auch Lob von Anhängern. Während Bayern-Fan- und Blogger Christian Nandelstädt nicht weiß, „für welchen Fußball er (Kovac) steht“, ist Bernd Hofmann, Präsident beim Bayern-Fanclub Nabburg/Oberfpalz, überzeugt vom Trainer: „Vor allem, wie er die Mannschaft in der aktuellen Phase des Umbruchs leitet, das ist stark.“

Bei einigen Spielern scheint Kovac nach wie vor einen schweren Stand zu haben. Zuletzt klagten sich Rafinha und Renato Sanches, die seit dem Ende der großen Rotation im Spätherbst noch seltener zum Zug kommen, über zu wenig Einsatzzeiten. Und nicht zu vergessen ist James Rodriguez: Der sensible Kolumbianer würde mittlerweile sehr gerne in München bleiben – allerdings gilt sein Verhältnis zum Bayern- Trainer noch immer als angespannt.

Robert Lewandowski hingegen konnte Kovac auf seine Seite ziehen – mit einer cleveren Maßnahme: Der Trainer übertrug dem eitlen Torjäger als Vertrauensbeweis das Amt des dritten Kapitäns beim FC Bayern.

Von Anfang an stand hingegen Kapitän Manuel Neuer hinter dem Bayern-Trainer. Als Kovac während der Krise im November massiv wackelte und die Münchner mit dem 5:1 in der Champions League gegen Benfica Lissabon die Wende schaffen, sagte Neuer: „Wir haben auch für den Trainer gespielt!“ Solche Aussagen, die die Loyalität von Spielern zu Übungsleiter herausstellen, waren in der bisherigen Saison ansonsten selten bis gar nicht zu hören.

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