Es gab Zeiten, da haben sich die Granden des FC Bayern damit gerühmt, stets mit einer Stimme in der Öffentlichkeit zu sprechen. Mit dieser Einigkeit beim Führungsduo Uli Hoeneß/Karl-Heinz Rummenigge ist es schon etwas länger vorbei, immer wieder einmal widerspricht der eine dem anderen. Dass die beiden nun zuletzt sogar über die rein theoretische Möglichkeit einer Verpflichtung von Cristiano Ronaldo unterschiedliche Standpunkte vertreten, ist harmlos und nicht ernsthaft als Zeichen einer weiteren Entzweiung zu werten. Der Umgang mit Niko Kovac dagegen schon.
Der Bayern-Boss hat die Diskussion um die Zukunft des Trainers ohne Not neu entfacht, nachdem die Gala gegen den entthronten Tabellenführer Borussia Dortmund Kovac gerade eben aus der Schusslinie gebracht hatte. Rummenigges Aussage hat nicht nur dem Trainer geschadet, sondern der gesamten Mannschaft – und auch dem Image des Münchner Führungs-Duos. Denn Hoeneß sah sich zur Gegenrede nur einen Tag später genötigt. Dass damit neue Spekulation über das Verhältnis der beiden Bosse geschürt wurde, musste der Präsident in Kauf nehmen.
Wenn es schon nicht zu vermeiden ist, dass aus Vereinskreisen die Indiskretion dringt, Kovac stehe auf der Kippe, müssen zumindest die Verantwortlichen alles unternehmen, um den Trainer in der Öffentlichkeit zu stärken. Hoeneß hat es getan, Rummenigge nicht – und damit Kovac im Endspurt des Titelkampfes geschwächt.
Ganz abgesehen davon, hat es der Trainer nicht verdient, so angezählt zu werden. In seiner ersten Saison bei einem europäischen Top-Club sind ihm zwar sicher ein paar Fehler unterlaufen. Er setzte zu sehr auf Rotation, weil er zu Beginn alle Spieler bei Laune halten wollte (und das Gegenteil erreichte). Ee schaffte es auch nicht immer, seiner Mannschaft eine klare Spielidee oder die richtige zu vermitteln. Aber Kovac zeigte auf der anderen Seite eben auch, dass er unter großem Druck zu einer Trendwende fähig ist.
Als sich die Bayern vor einem Jahr für den Kroaten entschieden und ihm obendrein wenig Spielraum zur Kaderplanung gaben, müsste ihnen klar gewesen sein, dass die Saison Reibungsverluste mit sich bringen und ein Champions-League-Novize nicht auf Anhieb den richtigen Weg finden wird.
Ein wenig mehr Geduld hätte Kovac schon verdient.
Elisabeth.Schlammerl@ovb.net