Mangel an Unterschied-Spielern

von Redaktion

Der 1860-Kader verträgt nicht allzu viele Ausfälle – wie soll das erst nächste Saison werden?

VON ULI KELLNER

Großaspach – Müde Augen, gedämpfte Stimme. Daniel Bierofka wirkte schwer frustriert, als er im Blockhaus der SG Sonnenhof nach Gründen für die 0:1-Pleite suchte – und dabei ein paar unbequeme Wahrheiten aussprach. Zum Beispiel diese: „Ich kann mir keine Spieler schnitzen.“ Oder diese: „Fußball ist immer noch eine Zweikampf-Sportart. Wir haben super die erste Linie überspielt, aber im letzten Drittel, da musst du dich halt durchsetzen.“

Das Problem des Löwen-Trainers: Mit Efkan Bekiroglu (Rotsperre), Prince Owusu (Gelbsperre) und Nico Karger (Adduktoren) fielen drei der versierteren 1860-Profis aus. Auch Stefan Lex hielt nur eine Stunde durch, ehe er mit muskulären Problemen rausmusste. Was blieb, war der stets umtriebige Sascha Mölders, 34 – und um ihn herum sehr viel guter Wille. Der aber nicht immer reicht, um in den engen Spielen der 3. Liga Siege zu erzwingen.

Was Bierofka nicht sagte, aber womöglich dachte, war zwar noch keine Wahrheit, aber zumindest eine Vorahnung: Sieht so die weißblaue Zukunft aus? Werden die B-Löwen vom Montag die künftigen A-Löwen sein? Bereits am Tag vor dem Spiel hatte er gesagt: „Es ist ja allgemein so: Die Stärke eines Kaders siehst du nicht nach den ersten Spielen, sondern hinten raus. Es gibt viele Mannschaften, die 12, 13, 14 Spieler haben, mit denen sie super durchkommen – die aber Probleme kriegen, wenn Verletzungen passieren.“ Sportchef Günther Gorenzel sieht es so: „Wenn zwei bis drei Unterschied-Spieler ausfallen, dann merkst du das in jedem Drittligakader.“ Siehe Haching, siehe auch 1860. Bedenkt man, dass mit Moll (Kreuzbandriss) und Grimaldi (Uerdingen) zwei weitere Fixgrößen abhanden kamen, ist es ohnehin eine Leistung, dass die Löwen sechs Spieltage vor Schluss kurz vor der endgültigen Rettung stehen.

Doch was passiert in der kommenden Saison? Geht man davon aus, dass sich die Gesellschafter nicht einigen und auch kein ungeplanter Glücksfall eintritt (etwa der Weiterverkauf des BVB-Profis Julian Weigl, der 1860 eine 10-Prozent-Beteiligung brächte), wird ab dem Sommer der Rotstift regieren. Bedeutet: Ausgeliehene Stammkräfte wie Simon Lorenz oder Prince Owusu sind nicht zu halten. Reizvolle Ex-Löwen, die mit einer Rückkehr liebäugeln (Schäffler, Niederlechner), bleiben eine Illusion. Es gibt einige Leistungsträger, die als Verkaufskandidaten gelten (Hiller, Paul Karger, Bekiroglu, Kindsvater). Und es gibt ein paar Aufrechte, die Bieroka wohl erhalten bleiben: Weber, Steinhart, Wein, Lex, Mölders. Um diese Achse herum lässt sich ein Team schmieden, das das Zeug hat, die Klasse zu halten. Sehr viel mehr aber dürfte nicht drin sein im zweiten Drittligajahr, das ursprünglich dafür vorgesehen war, den Aufstieg in die 2. Liga anzupacken.

Einen einsamen Lichtblick, immerhin, konnten 2000 mitgereiste 1860-Fans in der Mechatronic-Arena live besichtigen: den 20-jährigen Dennis Dressel, von Bierofka in einer Umfrage als größtes Talent der 3. Liga gepriesen. Dressel gab ein solides Debüt am Montag, spielte einfach, aber mit Übersicht. Viel hat nicht gefehlt und er hätte seinen ersten Profi-Einsatz mit einem schönen Treffer gekrönt. „Dennis hat ein sehr ordentliches Spiel gemacht“, lobte Bierofka den Dachauer, der seit der E-Jugend für die Löwen spielt. „Wir erwarten uns noch einiges von ihm“, ergänzte Gorenzel.

Als sicher gilt, dass sich Dressel einen Stammplatz für die nächsten beiden Spiele gesichert hat. So lange müssen die Löwen noch auf Efkan Bekiroglu verzichten. Es sagt durchaus was aus, wer die größten Hoffnungsträger für die nähere Zukunft sind: ein letztjähriger Regionalligaspieler – und der aufgerückte Kapitän der Bayernliga-Mannschaft. „Dennis Dressel steht für den eingeschlagenen Kurs bei Sechzig, das muss man so festhalten“, sagte Gorenzel abschließend: „Es werden mehrere Spieler aus dem eigenen NLZ in dieser und der kommenden Spielzeit ihre Einsatzmöglichkeiten bekommen.“

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