Augsburg – Diese Pleite war auch für den sonst so besonnenen und trainertreuen FC Augsburg zu viel. Zwei Tage nach der 0:4-Abfuhr gegen die TSG Hoffenheim hat der Fußball-Bundesligist Chefcoach Manuel Baum sowie nach nur gut zwei Monaten Edel-Assistent Jens Lehmann freigestellt. „Wir waren der Meinung, dass es ein Signal braucht, dass es eine Veränderung braucht“, sagte Manager Stefan Reuter in einer Pressekonferenz. Präsident Klaus Hofmann nannte die Entscheidung „alternativlos“.
Nun soll der frühere Mainzer und Wolfsburger Trainer Martin Schmidt die Schwaben vor dem Abstieg retten. Der Schweizer wird heute offiziell vorgestellt, nachdem er seine erste Einheit beim FCA geleitet hat. „Er hat uns schnell den Eindruck vermittelt, dass er der Mannschaft Energie übertragen kann“, sagte Reuter. Schmidt soll länger bleiben. „Wir holen ihn nicht nur für die letzten sechs Spiele“, sagte Reuter. Der Vertrag des 51-Jährigen laufe „in jedem Fall bis 2020“, im Fall des Klassenerhalts sogar bis 2021. Schmidt sei der einzige Kandidat für die Baum-Nachfolge gewesen.
Baum sei „natürlich sehr enttäuscht gewesen“, berichtete Reuter. Man habe man alles dafür getan, die Situation gemeinsam zu meistern. „Aber die Leistungen waren einfach zu schwankend“, sagte Manager. In der Rückrunde ging das Team beim 0:4 in Bremen, 1:5 in Freiburg, 0:3 in Nürnberg und zuletzt gegen Hoffenheim unter, feierte daneben aber auch Erfolge wie ein 2:1 gegen Dortmund. Der FC Augsburg ist 15. der Tabelle hat nur vier Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Der dort rangierende VfB Stuttgart ist am Karsamstag zu Gast in Augsburg.
Baum wurde eine Wende nicht mehr zugetraut, obwohl er zuletzt in zwei Spielzeiten den Klassenverbleib geschafft hatte. Der Rauswurf bei den Profis müsse nicht sein Ende im Verein sein. Auf die Frage, ob eine Rückkehr in den Nachwuchsbereich denkbar sei, sagte Reuter: „Wir haben eine hohe Meinung von Manuel und können uns vorstellen, mit ihm zusammenzuarbeiten.“ Er sei auf jeden Fall „gesprächsbereit“.
Dass auch Lehmann gehen muss, der erst Ende Januar wegen seiner Erfahrung verpflichtet worden war, zeigt, dass das Experiment mit dem Trainer-Novizen schief ging, auch wenn Reuter „den einen oder anderen Impuls“ erkannt haben will. Viele hatten damals vermutet, dass Lehmann ein Nachfolge-Kandidat als Cheftrainer sei. Neben den beiden wurde auch der Technische Direktor Stephan Schwarz freigestellt.
An Reuter selbst gebe es keine Zweifel – im Gegenteil: Präsident Hofmann sagte, dass man sich auf eine Verlängerung des bis 2020 laufenden Vertrags um mindestens drei Jahre „verständigt“ habe. „Das zeigt die Wertschätzung der Gremien an der Arbeit des Sportchefs.“
Der Sport-Geschäftsführer muss sich aber auch an der Personalie Schmidt messen lassen. Über seinen neuen Trainer sagte er gestern: „Wir sind ganz, ganz sicher, dass er die richtige Ansprache und die richtigen Maßnahmen ergreift, um mit der Mannschaft erfolgreich zu sein.“ dpa