Dass der FC Augsburg seinen Trainer entließ, kam für viele, die den Fußball verfolgen, überraschend. Weil sie glaubten, es sei der Markenkern des FCA, zu dieser marktüblichen Maßnahme nicht zu greifen – und schon gar nicht sechs Spieltage vor Ende der Saison und mit vier Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz. Noch dazu: Der Verfolger des Tabellen-15. FCA, der VfB Stuttgart, muss noch in Augsburg antreten. Jede Wahrscheinlichkeitsrechnung hätte den FC Augsburg auf dem Weg zum Klassenerhalt gesehen.
Doch es ist eine klischeehafte Vorstellung von Außenstehenden, dass ein Verein mit seinem Trainer immer durch dick und dünn gehen müsse, und dann werde es schon gut. Nein, manchmal bleibt einer Clubführung nichts anderes übrig, als einzugreifen und einen Wechsel vorzunehmen. In Augsburg hatten sich Mannschaft und Trainer auseinandergelebt, es wurde offensichtlich, dass die Spieler eine andere Ansprache benötigen. Martin Schmidt, der Freigeist, wird sie liefern. Er ist der Kontrast zu Manuel Baum.
Unter Baum hat sich zuletzt nichts mehr entwickelt – dennoch sollte man nicht davon sprechen, dass er gescheitert ist. Er hielt sich zweieinhalb Jahre, damit liegt er über dem Schnitt, er ist ein besserer Trainer als viele, die als Spieler Profis waren und meinen, sie könnten ohne nachhaltige Ausbildung ein Team führen. Baum hat seine Stärken – im fachlichen Bereich und im menschlichen. Er ist uneingebildet, fleißig. Vielleicht auf Dauer keiner, der immer zu den 18 Fußball-Lehrern mit dem tollsten Job gehören wird, aber in vielen Vereinen könnte er wertvolle Anstöße liefern.
Er hat das Recht, in den Realschuldienst zurückzukehren. Das würde sich aber zu sehr nach einer Niederlage anfühlen, die Baum auch nicht erlitten hat. Der FC Augsburg ist nicht abgeneigt, ihm im Nachwuchs wieder eine starke Position zu geben. Baum sollte das erwägen.
Zumindest das dürfte der FCA besser hinbekommen haben als andere Clubs: Dass man eine Beziehung ohne Dreckschleuderei zu Ende bringt und im Gespräch bleibt.