Die Vorschusslorbeeren, die hohen Erwartungen, mit denen Dirk Nowitzki einst seine Karriere in der glamourösen Profiliga NBA startete, spiegelten sich bereits in seinem Spitznamen wider: The German Wunderkind. Mit Wunderkindern ist das ja oft so eine Sache. Sie versprechen meist mehr als sie halten können. Auch weil ihr Talent größer ist als ihr Fleiß und ihre Beständigkeit. Bei Nowitzki war das anders. 21 Spieljahre später kann die Einschätzung nur lauten: Aus dem Wunderkind ist ein deutsches Basketballwunder geworden.
Nowitzkis einzigartige Karriere hat natürlich damit zu tun, dass er es als bislang einziger Deutscher in einer der illustren US-Profimannschaftssportarten zum Superstar gebracht hat. Der Riese aus Würzburg mit dem so kunstvollen Spezialwurf ist mittlerweile in allen ewigen NBA-Ranglisten auf den vorderen Plätzen zu finden. In den USA hat er bereits Legendenstatus – und erst recht in Deutschland, wo es nur eine Handvoll Sportsmänner auf ähnlichen Nachruhm bringen. Franz Beckenbauer etwa, Michael Schumacher, Boris Becker, Steffi Graf, die Älteren werden in dieser Hinsicht noch auf Max Schmeling, Fritz Walter und Uwe Seeler pochen. Das ist umso erstaunlicher, als Nowitzkis Karriere in Deutschland nur sporadisch und schon gar nicht intensiv wahrgenommen werden konnte. Seine 1666 NBA-Spiele wurden ja nicht im deutschen Fernsehen übertragen.
Dennoch verfügte Nowitzki über eine Strahlkraft, die auch hierzulande einmaligen Eindruck machte. Wobei der Franke keineswegs nur wegen seiner sportlichen Heldentaten zum Sympathieträger avancierte. Er verkörperte den komplett allürenfreien Star, der versuchte, allein durch sein spektakuläres Spiel aufzufallen. Bei ihm gab es keine Skandale, Affären, Mätzchen oder andere Extrovertiertheit. Nowitzki war stets der pure Sportsmann, der Basketballer, der sich trotz herausragender Rolle immer auch Teamplayer verstand, der nicht nur seinem Verein, sondern auch sich treu blieb.
So gesehen ist es nicht verwunderlich, dass seine letzte NBA-Saison auch in fremden Hallen zu einer von Wehmut und Zuneigung geprägte Abschiedsgala wurde. Sogar bei Auswärtsspielen standen die gegnerischen Fans regelmäßig Spalier und spendeten Nowitzki innigen, ja euphorischen Beifall. Eine größere Ehre für einen Sportler ist kaum vorstellbar.
Armin.Gibis@ovb.net