Augsburg – Vier Spiele sind absolviert – und EHC München und Augsburger Panther von einer Entscheidung in der Halbfinalserie der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) immer noch weit entfernt. Doch die Welt des Meisters sieht wieder etwas freundlicher aus. Der EHC gewann am Mittwochabend in Augsburg 2:1 (1:0, 0:0, 1:1) und konnte in der Serie zum 2:2 ausgleichen. Im Playoff-Sprech: Es steht alles wieder auf Anfang, aus dem Best of Seven ist ein Best of Three geworden. Es wird also mindestens noch zwei Matches geben: am Freitag (19.30 Uhr) in München, am Sonntag in Augsburg. Der EHC hat seinen Heimvorteil zurück.
Die Trainer warten ja immer gespannt, bis vor der Partie der Spielberichtsbogen kommt. Verletzungen werden in den Playoffs nicht kommuniziert, doch aus den Aufstellungen lässt sich die Wahrheit erschließen. München konnte alle Zeilen füllen (die Langzeitausfälle Abeltshauser und Jaffray wurden durch Nachrücker ersetzt), bei Augsburg hingegen blieb der Zettel an einigen Stellen unbeschriftet. Neue Ausfälle bei den Panthern waren gestern Ex-EHC-Stürmer Thomas Holzmann und Kapitän Steffen Tölzer, mit den zuvor schon fehlenden Trevelyan, Ullmann und Valentine ist es ein kompletter Block, der den Schwaben abgeht.
Und sie mussten kurzzeitig fürchten, einen weiteren wichtigen Mann zu verlieren. In der 18. Minute ereignete sich die Aufregerszene des Abends: Münchens Patrick Hager donnerte AEV-Verteidiger Simon Sezemsky in die Bande. Der Check ging in den Rücken, Sezemsky konnte sich nicht vorbereiten. Er lag einige Minuten auf dem Eis, wurde behandelt, das Stadion brodelte. Für Hager, den Grenzgänger in Sachen Härte, hatte die Aktion Folgen: Er bekam eine Spieldauerdisziplinarstrafe und brachte sein Team für fünf Minuten in Unterzahl. Sezemsky konnte ab Beginn des zweiten Drittels aber wieder mitspielen.
Seine Rücken-zur-Wand-Entschlossenheit war dem EHC München anzumerken. Der Meister ging mit viel Energie ins Spiel, zwang Augsburg in der ersten Minute zur ersten Strafzeit und erzielte in der dritten Minute das 1:0. Ein Schuss von Abwehrmann Derek Joslin ging einfach mal rein – etwas, was in dieser Serie selten vorkommt. Es dauerte, bis die Panther in Bewegung kamen. Sie hatten Probleme im Aufbau (der legendäre EHC-Forecheck wirkte), die Scheiben versprangen, den Pässen fehlte die Präzision. Das Publikum musste mit Energie aushelfen. Immer wieder erhoben sich die Sitzplatzbesucher und trieben ihr Team vermehrt vor den Kasten von EHC-Schlussmann Danny Aus den Birken. Mit Ende des ersten Drittels übernahm Augsburg die Führung in der Schussstatistik. Und beherrschte das zweite. München stand mehr unter Druck, als es selbst agieren konnte. „Warum sollte dieses Spiel auch eng werden? Die anderen waren es auch nicht“, meinte Frank Mauer am Mikrofon von Magentasport.
Joslin im Nachschuss (45.) sorgte für das 2:0 des EHC und die erste Zwei-Tore-Führung in dieser Halbfinalserie, Aus dem Birken flutschte dann aber ein Puck durch (Stieler/46.), Pech für den EHC, dass ihm das vermeintliche 3:1 (Wolf/50.) nach Videobeweis aberkannt wurde.
Exzellent agierte Don Jacksons Team in Unterzahl. Die Grundlage für den Sieg. De Spieler gönnten sich kurz eine Becker-Faust. Mehr Regung war nicht. Ab in die Kabine. Der epische Kampf ist noch nicht gewonnen.