Augsburg – Mark Voakes, der Vielspieler des EHC München, von seinem Trainer Don Jackson in beiden „special teams“ (Unter- und Überzahl) eingesetzt, hatte am Mittwochabend nach dem 2:1-Sieg bei den Augsburger Panthern das Gefühl, ein wenig Bewegung könnte ihm noch gut tun. Also setzte er sich aufs Spinning-Rad (das Heimteam muss immer ein paar Geräte zur Verfügung stellen), während die Kollegen schon mit dem Essen in der Styropor-Box in den Bus gingen. Voakes war zufrieden. „Wir haben Augsburg nicht viele Qualitätschancen gelassen“, meinte er, „und für uns ist es angenehmer, mit einem 2:2 als einem 1:3 ins nächste Spiel am Freitag zu gehen.“
München ist heute der Gastgeber (19.30 Uhr), am Sonntag hat Augsburg Heimrecht (14 Uhr). „Der Plan ist“, erklärt Voakes, „dass wir die Serie dann schließen“. Und mit einem 4:2 in die Finalspiele gegen die bereits qualifizierten Adler Mannheim gehen.
Aus dem Best of seven ist ein Best of three geworden, in das der EHC München mit dem Vorteil geht, bei Bedarf zweimal zu Hause spielen zu können. Was außerdem für den Meister sprechen könnte, ist die Tiefe des Kaders. Die Belastung verteilt sich auf mehr Spieler als auf Augsburger Seite.
Voakes ist 21:51 Minuten auf dem Eis gestanden – als meiststrapazierter Münchner. In der Time-on-Ice-Statistik des AEV wäre er Sechster gewesen. Tagessieger war Panther-Verteidiger Patrick McNeill (26:48 Minuten), und auch Brady Lamb, Drew LeBlanc, Matt White und Adam Payerl spielten länger als Voakes. In der Fachsprache: Augsburg (fünf Verletzungsausfälle) hatte die kürzere Bank. „Ja, wir bringen unsere besten Spieler aufs Eis“, sagt Trainer Mike Stewart. Doch er sieht darin keinen Nachteil. Der Beweis aus seiner Sicht: „Wir sind ab dem zweiten Drittel immer schneller geworden.“
Beide Teams, München und Augsburg, sind im Fitnessbereich professionell aufgestellt. Die Panther nutzen das funkbasierte Erfassungssystem des Münchner Anbieters Kinexon. Stewart: „Die Beschleunigungswerte unserer Spieler sind jetzt in den Playoffs besser als zu Beginn der Saison. Weil wir die Belastung gesteuert haben, sind wir nun topfit.“ Da sei es kein Problem, wenn Brady Lamb wie beim 104 Minuten langen dritten Spiel 44 Minuten ableistet und Torhüter Olivier Roy 70 Schüsse abwehren muss. Die Augsburger vertrauen zudem auf ein paar Hausmittel ihres Fitnesscoaches Sven Herzog, der einer der besten bayerischen Langstreckenläufer ist: Schlaf ist am wertvollsten zwischen 22 und 2 Uhr, daher früh zu Bett gehen – und nicht das Smartphone auf den Nachttisch legen.
Mit der Firma Kinexon kooperiert auch EHC-Eigner Red Bull – allerdings nur in seiner Akademie in Liefering. „Wir haben aber mehrere Datenquellen“, so Eishockey-Nachwuchschef Helmut de Raaf, „und entscheiden auch auf Basis unserer Eindrücke“.
Der EHC München glich am Mittwoch die Serie gegen Augsburg aus, ist sich seiner Sache aber weiter nicht sicher. Trainer Don Jackson stürmte am Ende gereizt aufs Eis, um bei den Schiedsrichtern vorstellig zu werden (weil diese – so ist zu vermuten, Jackson selbst wollte sich nicht äußern – eine Minute zuvor übersehen hatten, dass Augsburg kurz einen Spieler zu viel auf dem Eis hatte). Es ist offensichtlich, dass der Meister nicht mit lauter engen Spielen gerechnet hatte.
Die Augsburger hoffen, dass sich „im Line-Up vielleicht was tut“, so Stewart. An der Einstellung und Herangehensweise, das versprach der Kanadier, ändert sich: „Nichts.“