Manchester/Amsterdam – Cristiano Ronaldo flogen Bierbecher um die Ohren, Lionel Messi blutete die Nase – doch die Superstars des Weltfußballs trotzten allen Widerständen. Torschütze Ronaldo hat mit Juventus Turin ebenso Kurs auf das Halbfinale der Champions League genommen wie sein ewiger Rivale Messi mit dem FC Barcelona.
Während der nach einem Ellbogenschlag schwer gezeichnete Messi beim 1:0 bei Manchester United als Vorarbeiter glänzte, zeigte sich „CR7“ mal wieder als „Kaiser der Champions League“ (Corriere dello Sport): Per Kopf und mit seinem 125. Treffer in der Königsklasse bescherte der Portugiese Juventus ein 1:1 (1:0) bei Ajax Amsterdam – und damit eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel am Dienstag in Italien.
Beim Jubel an der Eckfahne flogen mehrere leere und ein voller Bierbecher knapp an seinem „goldenen Kopf“ (Gazzetta dello Sport) vorbei, Ronaldo streckte frech die Zunge heraus. „Er hat gezeigt, dass er auf einem anderen Niveau ist“, schwärmte Trainer Massimiliano Allegri von Ronaldos 25. Saisontor (45.), bei dem er wie aus dem Nichts zwischen vier Ajax-Abwehrspielern frei zum Abschluss gekommen war: „Sein Timing und seine Bewegungen sind anders als die aller anderen, das ist nicht zu verteidigen.“ Für die Gazzetta hatte der „Künstler“ Ronaldo „ein neues Meisterwerk“ geschaffen.
Und das, nachdem er die jüngsten drei Spiele wegen einer Verletzung am Oberschenkel verpasst hatte. „Ronaldo kennt seinen Körper, wie nicht einmal die Ferrari-Mechaniker ihre Boliden kennen“, schrieb der Corriere dello Sport bewundernd.
Dass ein mutiges Ajax trotzdem hoffen darf, liegt am Traumtor von David Neres (46.). „Das letzte Mal“, erinnerte Coach Erik ten Hag ans Achtelfinale, „haben wir gegen Real Madrid 1:2 zu Hause verloren. Wir sind also noch nicht raus.“ Allegri hielt dagegen: „Wir haben guten Grund anzunehmen, dass wir ins Halbfinale kommen.“
Das gilt auch für Messis Barca, obwohl der große Argentinier in Manchester leiden musste. Nach dem Ellbogenschlag von Chris Smalling (30.) ging er wie ein schwer getroffener Boxer zu Boden – und sah auch so aus. Die katalanische Zeitung Sport berichtete von „gruseligen Bildern“: Das linke Auge zierte ein dicker Bluterguss, die unaufhörlich blutende Nase, in der wohl die Scheidewand riss, ein Cut. Dazu kam eine Schramme auf der Wange. Für Mundo Deportivo war Messi „der Verwundete“, die Sun stöhnte wortspielend: „Bloody Messi!“
Barca-Coach Ernesto Valverde schimpfte über den „heftigen Schlag“, für den Smalling nicht mal Gelb sah. Messi durfte sich damit trösten, dass er vor dem Eigentor von Luke Shaw (13.) die entscheidende Vorarbeit geleistet hatte. „Es war nicht sein bestes Spiel“, schrieb das Sportblatt Marca, „und doch war er der Schlüssel.“
United, das keinen einzigen Schuss aufs Tor von Marc-Andre ter Stegen abgab, hält sich an der Erinnerung ans Achtelfinale und den Sieg bei Paris St. Germain (3:1) fest. „Das gibt uns Hoffnung und den Glauben, es schaffen zu können“, sagte Teammanager Solskjaer. dpa