„Dirk hat eine ganze Generation geprägt“

von Redaktion

Nowitzkis deutscher Teamgefährte Maximilian Kleber im Interview über den Superstar

Dallas – Maximilian „Maxi“ Kleber stammt wie Dirk Nowitzki aus Würzburg. Seit zwei Jahren spielt der 27-Jährige, der von 2015 bis 2017 beim FC Bayern unter Vertrag war, an der Seite der deutschen Basketball-Legende bei den Dallas Mavericks. Im Interview spricht Kleber über Kindheitserfahrungen und seine Erlebnisse mit Nowitzki, der am Dienstag seinen Rücktritt bekannt gegeben hat.

Herr Kleber, der Verwaltungsbezirk Dallas hat den April zum „Monat von Dirk“ erklärt. Wie sehr war zum Karriereende von Nowitzki die Euphorie in der Stadt zu spüren?

Am meisten merkt man die Begeisterung tatsächlich in der Halle. Obwohl die Playoffs für uns nicht mehr zu erreichen waren, war die Halle in jedem Spiel rappelvoll. Jeder wollte noch einmal ins American Airlines Center kommen, um Dirk zu sehen. Man merkt, wie sehr er in Dallas geliebt wird. Schließlich hat er der Stadt auch eine Meisterschaft beschert. Beim Spiel gegen Minnesota wurde jeder Platz der Halle mit einer Dirk-Maske ausgelegt. Das ist schon Wahnsinn, diesen Hype so hautnah mitzubekommen.

Auch bei Auswärtsspielen wurde Nowitzki regelmäßig frenetisch gefeiert.

Unglaublich, Dirk wird in gegnerischen Hallen gefeiert, als wäre er ein Spieler der eigenen Mannschaft. „We want Dirk“-Rufe von den Tribünen waren in den letzten Wochen keine Seltenheit. Immer wenn er aufs Feld kam, wurde gejubelt. Wenn er einen Wurf nahm, wurde dessen Flugkurve mit lauten „Ouuuuu“-Rufen begleitet. So eine Situation ist schon ungewöhnlich, denn eigentlich kommt es ja häufiger vor, dass man in fremder Halle ausgebuht wird. Aber der Respekt, der Dirk jetzt überall entgegengebracht wurde, ist eben das Resultat seiner harten Arbeit, die er über viele Jahre geleistet hat. Er ist eine Legende der Liga.

Realisiert man als Spieler mit welch großer Legende man da zusammenspielt?

Für mich persönlich war es von Beginn an etwas surreal, aber eher aus dem Blickwinkel, dass Dirk in der NBA spielt und ich 2017 auch die Möglichkeit bekam, in dieser Liga aufzulaufen. Damit wurde ein Kindheitstraum für mich wahr. Wenn man die Leistungen von Dirk etwas distanzierter betrachtet, muss man sich das schon mal auf der Zunge zergehen lassen. Er ist einfach einer der besten Spieler aller Zeiten, zählt zu den besten Scorern der Geschichte. Er hat 21 Jahre für einen Klub in der NBA gespielt. Er ist einzigartig. Wenn man dann noch bedenkt, dass wir beide aus der gleichen Stadt kommen, denke ich einfach nur: „Wow“.

Sie stammen beide aus Würzburg. Dennoch waren Sie erst sieben Jahre alt, als Dirk Nowitzki sein erstes NBA-Spiel absolviert hat. Wie haben Sie ihn in Ihrer Jugend verfolgt?

Zu Beginn seiner Karriere war ich noch zu jung, da habe ich eher wenig mitbekommen. Ein paar Jahre später gab es am Samstagabend ein NBA-Magazin im Fernsehen, das ich mir natürlich immer angeschaut habe. Dirk wurde als Deutscher ständig herausgehoben, was mich dazu brachte, ihn mehr und mehr zu verfolgen. Mit zwölf Jahren hatte ich zwei Basketball-Trikots: eines von Kobe Bryant und eines von Dirk Nowitzki. Der Unterschied war allerdings, dass ich von Dirk das gesamt Outfit mit Trikot und Hose hatte. Da war ich brutal stolz darauf und habe es oft im Training in Würzburg getragen.

Heute spielen Sie auf der gleichen Position. Haben Sie als Jugendlicher versucht, etwas von ihm abzuschauen?

Als Kind ahmt man seine Vorbilder natürlich nach. Im Fall von Dirk war es sein berühmter Fadeaway-Wurf. Vor dem Training habe ich den immer wieder mal versucht. Meine Trainer damals waren davon aber weniger begeistert, weil der Wurf unheimlich schwierig ist. Je weiter ich mich als Spieler aber entwickelt habe, desto mehr legt man den Fokus auf die Entwicklung seines eigenen Spiels.

Erinnern Sie sich an Ihr erstes persönliches Treffen?

Ja, sehr gut sogar. Ich war ungefähr zwölf Jahre alt und gemeinsam mit meinen beiden Brüdern hab ich mitbekommen, dass Dirk in der Nike-Halle in Würzburg trainiert. Also sind wir da einfach hingegangen und haben unser Glück versucht. Tatsächlich haben wir ein Foto mit ihm ergattern können. Er wusste zwar nicht, wer wir sind, aber für uns war das Foto natürlich das Größte. Dass wir 13 Jahre später das Foto in Dallas als Teamkollegen nachstellen konnten, ist eine unglaubliche Geschichte. In der Zeit dazwischen hatten wir eigentlich kaum Kontakt. Ab und an kam eine Nachricht aufs Handy wegen der Nationalmannschaft. Leider hat es aber nie geklappt, dass wir gemeinsam für Deutschland spielen.

Dafür klappte es 2017, als Sie vom FC Bayern zu den Dallas Mavericks wechselten. Zwei Würzburger in einem NBA-Team. Besser hätte man die Geschichte kaum schreiben können.

Wahnsinn, diese Geschichte ist so unwahrscheinlich. Zwei Deutsche, die in der gleichen Stadt aufgewachsen sind, spielen zusammen in der NBA. Unbeschreiblich.

Wie hat Sie Dirk damals aufgenommen?

An unser erstes Treffen in Dallas kann ich mich noch sehr gut erinnern. Mir wurde gerade das Trainingsgelände gezeigt, als Dirk plötzlich reinkam. Wir haben kurz gequatscht und uns zum Mittagessen verabredet. Er hat mir viel von der NBA erzählt und mich darauf vorbereitet, was mich in meinem ersten Jahr erwarten wird. Da ich vor meinem Wechsel nach Dallas bereits im August in die USA gereist bin, hatte ich quasi einen ganzen Monat Zeit, um mich vorzubereiten. Im Training habe ich sehr viel mit Dirk gearbeitet. Einen besseren Mentor als einen der besten Spieler aller Zeiten kann man sich nicht vorstellen. Dazu kommt, dass Dirk menschlich auch ein super Typ ist. Er ist total entspannt und bodenständig, was mir den Start in den USA deutlich erleichtert hat.

Nowitzki war jahrelang das Aushängeschild des deutschen Basketballs. Er hat dem Sport enorm geholfen. Aktuell hat Deutschland die vielleicht talentierteste Nationalmannschaft aller Zeiten. Auch ein Verdienst von Nowitzki?

Auf jeden Fall. Dirk hat den Basketball in Deutschland und somit auch eine Generation von Jugendlichen geprägt. Vielen Kinder wollten wie er sein und Basketball spielen wie Nowitzki. Möglicherweise ist das auch ein Grund, dass wir in Deutschland momentan sehr viele talentierte große Spieler haben. Interview: Robert Heusel

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