Noch eine Anekdote über ihn, eine abschließende, denn Reinhard Grindel ist im Fußball nun Vergangenheit. Beim FIFA-Kongress kurz vor der WM 2018 in Moskau trat als Ehrengast Wladimir Putin auf die Bühne, begrüßte Gianni Infantino und setzte seine Handschlag-Runde bei den 36 Mitgliedern des FIFA-Rats fort, die in vier Reihen zur Linken und Rechten des Rednerpults saßen. Im letzten Block war der deutsche Vertreter Reinhard Grindel untergebracht, er erhob sich, knöpfte das Jackett zu, straffte sich in Erwartung der Putin-Berührung und eines für ihn historischen Moments – da brach Russlands Präsident seine Tour ab. Keine Zeit mehr. Für Nummer 28 bis 36 hatte er nur noch ein pauschales Winken aus der Distanz übrig. Grindel musste sich wieder setzen. Ohne das Foto seines Lebens.
Auch nach seinem Rücktritt als DFB-Präsident hätte Reinhard Grindel das Recht gehabt, den deutschen Verband in den Gremien der Dachverbände UEFA und FIFA zu repräsentieren. Dass er darauf nicht besteht, ist zumindest ein letzter Dienst am deutschen Fußball. Für diesen allerdings auch ein Problem. Denn vorerst wird er keine Stimme haben, es gibt keinen automatischen deutschen Nachrücker. Und folglich niemanden, der Widerspruch leisten kann gegen den Wahnsinn, der bei FIFA und UEFA geplant ist: Verschachern der Rechte an arabische Investoren, 48er-WM schon 2022, Champions-League-Format, das den nationalen Ligen die Wochenendes wegfrisst.
Es wird seit Grindels DFB-Aus ja intensiv diskutiert, wer ihm an der Spitze des deutschen Fußballs folgen sollte. Thema ist ebenso, ob man nicht zwei DFB-Präsidenten haben sollte: einen Macher, einen, der es schafft, als Persönlichkeit zu einen und eine ethische Instanz zu sein. Doch genauso wichtig ist auch: Wer vertritt den DFB bei FIFA und UEFA?
Es fällt der Name Christian Seifert. Und ja: Zumindest vom Typ her würde das passen. Kein klassischer Ehrenamtler, bei dem – wie im Fall Grindel geschehen – die Gefahr bestünde, dass er sich einwickeln lässt von den Infantinos dieser Welt. Grindel mag sich als Widerständler und Oppositioneller gesehen haben, bewirkt indes hat er nichts. Es braucht einen Profi, er muss nicht die Herzen erwärmen, er muss abgebrüht sein und – wichtigstes Anliegen – die Bundesliga schützen. Putin sollte ihn kein bisschen beeindrucken.
Guenter.Klein@ovb.net