Der Kampf geht weiter

von Redaktion

EISHOCKEY 0:2 – München vergibt Matchball in Augsburg: Morgen Spiel 7

VON CHRISTOPHER MELTZER

Augsburg – Am Haupteingang Ost des Curt-Frenzel-Stadions spürte man den großen Willen zum Widerstand das erste Mal. Die Tore waren noch verschlossen, doch die Augsburger Eishockeyfans drängelten sich am Sonntagmittag schon den Berg vor dem Stadion hinauf, bis hin zur Bushaltestelle „Blaue Kappe“ – alle in rot, grün und weiß, den Vereinsfarben der Panther, deren Trikots sie in ein paar Stunden vielleicht bis zum Herbst im Kleiderschrank müssten vergraben. Als die Tore endlich öffneten, quetschten sie sich hinein, direkt zu den Stehtreppen der Südkurve, wo sie hüpften und sangen, in Vorfreude auf das bisher wichtigste Spiel der Saison. Und als ihre Helden, die Panther, etwa 40 Minuten vor Spielbeginn dann aufs Eis skateten und sich aufwärmten, brüllte ihnen in der Südkurve eine Wand aus Menschen immer wieder entgegen: „Kämpfen bis zum Ende.“

Das Ende war in diesem Moment nah. Im DEL-Halbfinale lagen die Augsburger Panther gegen den EHC München bereits mit 2:3 Siegen zurück. Sie mussten eine Mannschaft besiegen, die sich in den vergangenen drei Jahren damit hervorgetan hat, dass sie sich eben fast nie besiegen lässt. Es war also umso erstaunlicher, dass die Panther das Ende, das ihnen so viele für diesen Sonntag prophezeit hatten, verschoben haben, vorerst auf Dienstag. Sie kämpften den großen Nachbarn aus München nieder – mit einem 2:0 (0:0, 1:0, 1:0), das zwei Folgen hat: Spätestens am Dienstag, im siebten Spiel dieser dramatischen Serie, wird sich in der Münchner Olympia-Eishalle entscheiden, wer sich im DEL-Finale mit Mannheim messen darf. Und mindestens bis morgen dürfen die Fans aus Augsburg ihre rot-grün-weißen Trikots nicht im Schrank vergraben.

Es war der große Wille zum Widerstand, der den DEL-Außenseiter Augsburg ja überhaupt in das sechste Spiel dieses ungleichen Halbfinals gegen den Meister aus München geführt hat. Am Sonntag steigerten sie diesen Widerstand noch einmal. Auf der Tribüne, aber eben auch auf dem Eis. Dort tauchte plötzlich – auf Schlittschuhen, im Trikot und mit Helm – Christoph Ullmann auf, der Stürmer der Panther, der in dieser Ausrüstung vor zwei Wochen fast gestorben wäre. Im Viertelfinale gegen Düsseldorf krachte er im sechsten Spiel aufs Eis, verschluckte seine Zunge, die ihm der Düsseldorfer Teamarzt gerade noch rechtzeitig aus dem Hals zog. „Als ich bei ihm ankam, hatte Ullmann schon blaue Lippen“, sagte der Arzt, Ulf Blecker, hinterher der „Rheinischen Post“. Ullmann verpasste seitdem jedes Spiel. An diesem Sonntag aber wollte er seine Mannschaft nicht alleine lassen – genau so wenig wie der zuletzt verletzte Verteidiger Scott Valentine.

So stürzten sich die Panther in ein Spiel, in dem bis zu ihrem ersten, erlösenden Tor viele kritische Momente überstehen mussten. In den ersten Sekunden schon, als EHC-Stürmer Frank Mauer zweimal frei schießen durfte, sowieso im ersten Drittel als der Meister den Druck erhöhte (Panther-Trainer Mike Stewart: „München war besser“). Vor allem aber im zweiten Drittel, zwischen der 33. und 39. Minute, als vier Panther-Spieler sich Zeitstrafen und ihrer Mannschaft damit zwei Drei-Gegen-Fünf-Situationen einhandelten. Die Münchner kreisten um das Tor des Panther-Goalies Olivier Roy – nur trafen sie mal wieder nicht hinein. In den vergangenen beiden Spielen hatten sie einfach so oft auf Roys Tor gefeuert, dass dieser irgendwann auch mal einen Puck durchrutschen lassen musste. Gestern klappte das nicht. Stewart sagte: „Wir waren läuferisch gut, unsere Team-Defense war, Olivier war gut.“

Als das Dauer-Powerplay überstanden war, jubelte die Südkurve, als hätten die Panther das Spiel gewonnen. Nur zweimal brüllten sie noch lauter: Als der Kanadier Adam Payerl fünf Sekunden vor Ende des zweiten Drittels (EHC-Profi Matt Stajan saß gerade auf der Strafbank) sein erstes Tor in diesen Playoffs schoss – und als er sechs Sekunden vor Spielende (das EHC-Tor war bereits leer) sein zweites nachlegte.

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