Zu den besonderen Eigenheiten des Profifußballs gehört, dass der Misserfolg gerne personifiziert wird – und dies mit radikaler Konsequenz. Einfacher ausgedrückt: Der erste Schuldige ist, so war es zumindest über viele Jahrzehnte hinweg, der Trainer. Der Rauswurf des Fußballlehrers ist der Klassiker im Krisenmanagement der Fußballclubs dieser Welt. In der Bundesliga scheint sich nun aber ein neuer Parallel-Trend durchzusetzen: Immer mehr geraten die Sportchefs in die Schusslinie der Cluboberen. So traf es in dieser Saison bereits Funktionäre wie Heidel (Schalke), Heldt (Hannover), Reschke (Stuttgart), Bornemann (Nürnberg), Boldt (Leverkusen). Sie wurden vornehmlich abgestraft für sportliche Durchhänger. Bei Robert Schäfer liegt der Fall etwas anders. Auch der 43-jährige Vorstand von Fortuna Düsseldorf muss gehen – nur fällt es schwer zu erkennen, was er groß falsch gemacht haben sollte.
Seine ersten Sporen im Kicksport, daran sei erinnert, sammelte er beim TSV 1860, der damals noch im gesicherten Mittelfeld des 2. Liga spielte. Gescheitert ist er 2013 nicht an seiner (passablen) Leistungsbilanz, sondern an der Münchner Dauerführungskrise. Nachdem Schäfer Dynamo Dresden vor drohender Pleite bewahrt und saniert hatte, holten ihn im März 2016 die Fortunen, damals Viertletzter der 2. Liga. Unter der Regie des neuen Vorstandvorsitzenden mauserten sich die Rheinländer zum Aufsteiger und entfalteten in der Erstklassigkeit auf Anhieb überraschende Konkurrenzfähigkeit. Man ist versucht zu sagen: eine makellose Bilanz.
Eine grobe Ungeschicklichkeit trug Schäfer jedoch in der Winterpause massiven Tadel ein. Mit der Ankündigung, den Vertrag mit Kulttrainer Friedhelm Funkel nicht verlängern zu wollen, brachte er die Fans auf die Palme. Funkel durfte zwar weitermachen, aber Schäfer ging mit einem dicken blauen Auge aus dieser Kontroverse hervor. Er hatte eindeutig unterschätzt, wie wichtig Emotionen sind im Fußball. Ein Fehler, klar. Für die internen Kritiker, die schon länger Schäfers angeblich selbstherrlichen Führungsstil anprangerten, war das offenbar der Hebel, um ihn zu entfernen. Kein Zweifel: Man lebt gefährlich, heutzutage als Fußballchef. Da schützt nicht einmal der Erfolg.
Armin.Gibis@ovb.net