„Unglaublich“

von Redaktion

Politt gibt sich bei Radklassiker Paris-Roubaix als Zweiter erst im Zielsprint geschlagen

Roubaix – Minutenlang lagen sich Nils Politt und seine Frau Annike im altehrwürdigen Velodrom von Roubaix in den Armen – überwältigt von den Glücksgefühlen eines famosen Tages. „Zweiter in Roubaix ist unglaublich, das ist ziemlich emotional“, sagte der Kölner völlig entkräftet und dreckverschmiert. Hinter Politt lag eine fast sechsstündigen Tortur durch die „Hölle des Nordens“, die ihm das bislang eindrucksvollste Rennen seiner Karriere beschert hatte.

Dass Politt im Spurt dem belgischen Routinier Philippe Gilbert unterlegen war – egal. „Gilbert hat gepokert, und ich war einfach nicht mehr endschnell. Gegen Gilbert zu verlieren ist keine Schande“, sagte der 25-Jährige. In der Tat, schließlich hatte der Radprofi aus dem Team Katusha-Alpecin zuvor einen imposanten Kraftakt hingelegt, war beim spektakulären Höhepunkt der Klassikersaison nicht kleinzukriegen und zurecht überglücklich.

Bei der 117. Ausgabe der „Königin der Klassiker“ glänzte Politt mit einer besonderen Widerstandsfähigkeit, kämpfte sich immer wieder verbissen heran, wenn er den Anschluss an die Spitze zu verlieren drohte. Im fürchterlich anspruchsvollen Sektor „Carrefour de l’Arbre“ schien er erneut abgehängt zu werden, bevor er nicht vorhanden geglaubte Kräfte mobilisierte und sich zusammen mit Gilbert löste.

„Ich bin glücklich, dass ich mich getraut habe, einen Angriff zu wagen. Ich habe gedacht: alles oder nichts“, sagte Politt, der das beste deutsche Roubaix-Ergebnis seit dem Triumph von John Degenkolb 2015 erreichte und als zehnter Deutscher überhaupt einen Podestplatz in Nordfrankreich holte. Für das Team Katusha ist das Ergebnis auch wegen der Formschwäche von Topsprinter Marcel Kittel wie Balsam auf die geschundene Seele.

Höher gehandelt als Politt wurde eigentlich Degenkolb, er verpasste jedoch die entscheidenden Attacken und erreichte die Spitze nicht mehr. Für den Thüringer, neben Josef Fischer (1896) weiter der einzige deutsche Roubaix-Sieger, stand letztlich Rang 27. Fünfter wurde Titelverteidiger Peter Sagan (Slowakei) vom Raublinger Bora-hansgrohe-Team.  sid

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