München – Auf den Pressekonferenzen der Deutschen Eishockey-Liga muss man manchmal nur mitzählen, wie viele Wörter ein Trainer nach dem Spiel spricht, um seine Laune zu bestimmen. Mit Don Jackson, dem Chefcoach des EHC München, geht das besonders gut. Wenn er gewonnen hat, kommen meistens einige zusammen, er nennt dann stets alle Torschützen mit Namen, lobt auch seinen Torhüter. Wenn er verliert, gratuliert er immerhin dem gegnerischen Trainer, der natürlich einen hervorragenden Job gemacht hat, was er, Jackson, aber natürlich schon vorher gewusst hat. Am Sonntag allerdings, im Presseraum des Curt-Frenzel-Stadions in Augsburg, sagte Jackson nur 15 Wörter: „Guten Nachmittag zusammen, es war eine Kopie der bisherigen Serie. Am Dienstag geht’s weiter. Dankeschön.“
Die gute Laune des Meistertrainers ist innerhalb weniger Stunden ganz schnell verflogen. Mit einer 3:2-Serienführung waren Jackson und sein EHC am frühen Sonntagmorgen nach Augsburg aufgebrochen – ein Sieg fehlte, um dieses furchtbar lästige Halbfinale gegen die Augsburger Panther endlich zu beenden. Am frühen Sonntagabend jedoch kehrten sie nach der 0:2-Pleite mit einem 3:3 zurück. Michael Wolf, der Kapitän des EHC, sagte: „Jetzt haben wir Spiel sieben – so ist es in den Playoffs manchmal.“
In der Olympia-Eishalle wird Don Jackson heute Abend auf der nächsten Pressekonferenz sprechen. Und dann wird feststehen, ob der EHC ab Donnerstag im DEL-Finale versuchen darf, seinen Titel gegen die Adler Mannheim zu verteidigen – oder, ob er tatsächlich an Augsburg, dem kleinen Rivalen, gescheitert ist. Ab 19.30 Uhr spielt München im entscheidenden siebten Spiel ein letztes Mal gegen die Panther – in einer Halbfinalserie, die nie in diesem finalen siebten Spiel hätte gipfeln sollen.
In seinem kleinen 15-Wörter-Vortrag hat Jackson eine treffende Zusammenfassung geliefert. „Es war eine Kopie der bisherigen Serie“, sagte er – und seine Spieler durften das nicht als Kompliment verstehen. Denn wieder einmal belagerte der EHC, der für seine Stürmer nun einmal sehr viel Geld ausgibt, das Tor von Roy, ohne den Puck einmal hineinzuschießen. „Wir hatten sehr viele Chancen“, sagte EHC-Verteidiger Daryl Boyle. Er dachte vermutlich an Frank Mauer, Mads Christens und Andreas Eder, die alle frei vor Olivier Roy scheiterten. Auch zwei vielversprechende Powerplays (Fünf gegen Drei) halfen nicht. Dem Treffer nahe kam der Verteidiger Keith Aulie, der aber nur den Pfosten traf. „Es ist schon die ganze Serie so, dass wir oft das Spiel machen, viele Chancen haben, aber keine Tore schießen“, sagte Wolf. Sein Mitspieler Yannic Seidenberg hatte schon nach dem ersten Drittel zu „Magentasport“ gesagt: „Wir müssen die Scheiben zum Tor bringen, mehr Verkehr bringen, dass wir Scheiben abfälschen, Rebounds kriegen, dann gehen die Dinger auch rein.“
Mit dieser Taktik hatten die Münchner die Spiele vier und fünf jeweils für sich entschieden. Nun jedoch verzweifelten sie wieder an Augsburgs Abwehr – was dazu führte, dass ihre Playoffserie nun die längste der DEL-Historie werden wird (mindestens 504 Minuten und 46 Sekunden; damit mehr als Frankfurt gegen Iserlohn 2008: 480 Minuten und 32 Sekunden).
Am Sonntag hat Don Jackson 15 Wörter gebraucht, um über diese verrückte Serie mit all ihren Bestmarken, Verlängerungen und Strategien zu sprechen. Ab jetzt kann man sie sogar auf zwei Wörter reduzieren: Spiel sieben.