Das System: Alle schwärmen von der Extraklasse von AEV-Tormann Olivier Roy, der durchs Playoff-Halbfinale mit einer Fangquote von 96,5 Prozent rauscht. Allerdings unterstützen ihn seine Vorderleute massiv. „Die Augsburger verengen die Räume vor ihrem Tor, wir kommen oft nicht an die Rebounds“, sagt EHC-Stürmer Frank Mauer. Die Panther blocken immer deutlich mehr Schüsse als München. Und sie blocken geschickt. Trainer Mike Stewart: „So, dass Olli Roy die Scheibe noch sieht. Dann hat er sie.“
Die Einzelkönner: Augsburg bringt seine Topspieler öfter aufs Eis als die ausgewogener besetzten Münchner ihre. Herausragend bei den Panthern die Stürmer Drew LeBlanc (Technik) und Matt White (Speed). Der EHC bringt sie nicht unter Kontrolle.
Die Comebacks: Im vierten Spiel der Serie fehlten Augsburg fünf Leute und entsprechende Substanz. Doch der Kader ist nun wieder üppiger besetzt, denn bis auf T.J. Trevelyan kehrten alle Verletzten zurück. Wichtig für die Panther: Scott Valentine, der härteste Checker, erhöht die eh schon ausgeprägte Physis im Team, Christoph Ullmann sorgt für psychologischen Schub. Im sechsten Viertelfinale in Düsseldorf war er schwer verletzt worden (nach einem Check verlor er das Bewusstsein und verschluckte seine Zunge – der DEG-Arzt rettete auf dem Eis sein Leben), zum siebten Spiel kehrte der frühere Nationalspieler als Motivator in die Kabine zurück. Da er auch eine Gehirnerschütterung davongetragen hatte, war unklar, wann er wieder würde spielen können. Und dann stand er in Durchgang sechs des Halbfinales auf dem Eis. Mit immerhin 9:32 Minuten Eiszeit.
Die Fans: Augsburg erlebt Tage außergewöhnlicher Eishockey-Hochstimmung – da wird auch auf den Sitzplätzen oft gestanden. Obwohl der EHC München versuchte, seinen Online-Ticketverkauf zu kontrollieren, um bei seinen Heimspielen die Fraktion der Augsburger klein zu halten, haben diese Wege gefunden, ins Stadion zu kommen (angeblich mit Max-Mustermann-Bestellungen und Münchner Postleitzahl). Spiele in München fühlen sich für die Augsburger nicht nach Auswärtsspielen an.
Die Psychologie: Der Gedanke, in den Playoffs am kleinen Team aus der Nachbarstadt (Fan-Radio Oberwiesenfeld: „Westvorstadt“) zu scheitern, bereitet den Münchnern Unbehagen. Bundesweit hat Außenseiter Augsburg turmhoch bessere Sympathiewerte.
Die Vorgeschichte: EHC-Trainer Don Jackson ist der erfolgreichste Coach der DEL-Geschichte. In Berlin begründete er mit fünf Meisterschaften in sechs Jahren seinen Ruf, er verlor nur eine Playoff-Serie: Es war 2010. Das Viertelfinale. Im letzten Spiel zuhause. Gegen Augsburg.