Er war, schon in jungen Jahren, der Größte seines Sports. Ganz oben, eine Lichtgestalt. Und dann zwischenzeitlich so weit unten, wie es schlimmer fast nicht sein kann. Die Geschichte von Eldrick Tont „Tiger“ Woods, dem Wunder-Golfer, der ins Dunkle fiel, ist schon vor diesem Sonntag eine unglaubliche gewesen, in der Herrliches und Schreckliches vorkam. Und jetzt ist diese ohnehin schon wundersame Tiger-Story nochmal um ein schier unfassbares Kapitel reicher. Dieses jüngste, diesmal herzerwärmend schöne Kapitel handelt davon, dass es ein Mensch geschafft hat, sich aus tiefster Verzweiflung zurück ins Glück zu kämpfen. Weil er nie aufgegeben hat.
Als Tiger Woods am Sonntag in Augusta das grüne Jackett des US Masters-Siegers überstreifte, war eines der größten Comebacks der Weltsportgeschichte perfekt. Vielleicht ist es sogar die größte Wiederauferstehung eines Sportlers überhaupt. Noch erstaunlicher als Muhammad Alis Rückkehr auf den WM-Thron (nach jahrelanger Box-Zwangspause wegen Kriegsdienstverweigerung) oder die sportliche Wiedergeburt des Ski-Helden Hermann Maier (nach Motorradunfall und Beinahe-Beinamputation).
Was für eine Fall- bzw. Wiederaufstiegs-Höhe! Tiger Woods. Golf-Wunderkind. Schon mit 21 Jahren erstmals Masters-Sieger und Weltranglistenerster. Der Mann, der seinen Sport auf eine neue Ebene hob, einen Triumph an den anderen reihte – und dabei steinreich wurde. Dann der totale Absturz. Körperlich und seelisch (fast) am Ende, gesundheitliche Probleme, Skandale in Serie, Ärger mit dem Gesetz, Scheidung. Einfach alles außer Kontrolle, das Leben des vormals gefeierten Superstars: nur noch ein Trümmerhaufen.
Vielen hat es weh getan, Tiger Woods, den begnadeten Sportler, so weit unten, so kaputt zu sehen. Und kaum jemand hat, als er am Tiefpunkt angelangt war, daran geglaubt, dass er es nochmal schaffen könnte, an frühere Glanzzeiten anzuknüpfen. Doch jetzt, mit 43, steht er wieder strahlend da, im grünen Jackett. Satte 14 (!) Jahre nach seinem zuvor letzten Masters-Sieg, 11 Jahre nach seinem letzten Triumph bei einem Major-Turnier.
Tiger Woods ist tatsächlich zurück, ein Phoenix aus der Asche. Die Sportwelt verneigt sich. Und sie verneigt sich zu Recht. Dieses Comeback geschafft zu haben, ist der allergrößte Sieg des Tigers, des Jahrhundertspielers und Stehaufmannes, der die Menschen begeistert und inspiriert – und dies nun nicht mehr allein wegen seiner hohen Golfkunst.
Wolfgang.Sporer@ovb.net