München – Der FC Bayern hatte es besonders eilig in Düsseldorf. Die Rückreise nach München konnte nicht schnell genug gehen, aber nicht nur, um am Sonntagabend noch ein bisschen mehr Zeit zu haben, den 4:1-Sieg gegen die Fortuna auszukosten. Die Bayern wollten möglich schnell wissen, wie schwer die Verletzung von Manuel Neuer ist und ließen den Torwart deshalb gleich nach der Ankunft in München von den Vereinsärzten Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und Prof. Dr. Peter Ueblacker untersuchen. Danach gab’s Gewissheit: Muskelfaserriss in der linken Wade, dort, wo es Neuer schon vor rund zwei Wochen gezwickt hatte.
Weil der Bayern-Kapitän nach seiner Auswechslung die Düsseldorfer Arena aber auf Krücken verlassen hatte, gab es zunächst die schlimmsten Befürchtungen. Die vergleichsweise harmlose Diagnose bedeutet aber zunächst einmal nur, dass der 33-Jährige das Ligaspiel am Samstag und das Pokal-Halbfinale vier Tage später gegen Werder Bremen verpassen wird. Dazu womöglich das Auswärtsspiel beim 1. FC Nürnberg (28. April). Neuer teilte gestern via Instagram mit, er sei „optimistsich, im Saisonendspurt wieder im Tor zu stehen“.
Wieder einmal darf Sven Ulreich in die Bresche springen. „Man wünscht seinem Kollegen nicht, dass er sich verletzt. In diesem Fall ist es aber schön für mich, wenn ich öfter zum Einsatz komme“, sagte der 30-Jährige vor dem Abflug in Düsseldorf. Bislang kam Ulreich in dieser Saison zu vier Bundesligaspielen sowie zwei Partien im Pokal – und kassierte dabei satte zwölf Gegentore. Allerdings traf ihn abgesehen vom Freistoßtreffer des Leverkuseners Leon Bailey aus fast 30 Metern keine Schuld.
Ulreich sieht sich gut präpariert für seine Einsätze zwischen den Pfosten, Von fehlender Spielpraxis will er nichts wissen. „Ich mache die Trainingseinheiten genauso mit wie Manu, bereite mich genauso wie er vor. Wenn es so sein sollte, dass ich jetzt öfter spiele, dann bin ich bereit und fit“, sagte der ehemalige Stuttgarter.
Die kommende Zwangspause ist nicht die erste für Neuer in dieser Saison. Ende Januar fiel er mit einer Verletzung des Daumen-Seitenbandes aus – ein sogenannter Ski-Daumen. Der Weltmeister von 2014 verpasste drei Partien deswegen, trägt bis heute im Training und bei Spielen eine Schiene. Und dann war da noch die erste Zwangspause wegen der Wade. Neuer fehlte beim 1:1 in Freiburg Ende März und vier Tage später im kuriosen Pokalspiel gegen Heidenheim (5:4). Zusammen mit dem Mittelfußbruch, weswegen der Neuer fast die gesamte vergangene Spielzeit verpasste, fehlte der Keeper seit der Saison 2017/2018 59 Partien.
Von einer besonderen Verletzungsanfälligkeit bei seinem Kollegen wollte Ulreich nicht sprechen. „Er ist ein Jahr verletzt gewesen, es war eine schwere Verletzung. Da ist es natürlich so, dass man Anpassungsschwierigkeiten hat“. sagte er und führte das straffe Programm als besondere Herausforderung für den Körper an: „Es sind einfach brutal viele Spiele in einer Saison und viele Trainingseinheiten. Deswegen ist er schon sehr gefordert.“
Die Bayern müssen nun kurzfristig ein Torwart-Problem lösen. Weil der dritte Keeper Christian Früchtl (19) wegen einer Bänderverletzung im Ellenbogen ebenfalls nicht zur Verfügung steht und noch wochenlang ausfällt, ergibt sich beim deutschen Rekordmeister ein Engpass. So wird wohl der 20 Jahre alte Ron-Thorben Hoffmann, eigentlich Früchtl-Vertreter in der Regionalliga-Mannschaft, bei den nächsten Spielen auf der Bank der Profis Platz nehmen.
Gute Nachrichten gab’s am Sonntagabend übrigens auch von Mats Hummels. Der nnenverteidiger war nach Abpfiff mit Oberschenkelproblemen in die Kabine gehumpelt. Er zog sich laut Verein aber nur eine Zerrung zu und wird deshalb eine kurze Trainingspause einlegen. Der FC Bayern hat Düsseldorf also mit drei Punkten und einem blauen Auge in puncto Verletzungen verlassen.