Mit Schrotkugeln im Körper zum Tour-Sieg

von Redaktion

Die aufsehenerregendsten Comebacks in der Geschichte des Sports

MUHAMMAD ALI (Boxen): 1967 musste der gebürtige Cassius Clay zwangsweise seine Karriere ruhen lassen und als Wehrdienstverweigerer seinen WM-Titel abgeben. 1970 durfte Ali sein Comeback feiern, 1974 holte er sich im sogenannten „Rumble in the jungle“ (Schlägerei im Dschungel) den Weltmeister-Titel auf spektakuläre Weise zurück. Sein Duell in Kinshasa mit dem damals als unschlagbar geltenden George Foreman gilt für viele als größter Boxkampf aller Zeiten.

MICHAEL SCHUMACHER (Formel 1): Knapp drei Jahre hielt es der Rekordweltmeister als Königsklassen-Rentner aus. Als auch gelegentliche Renneinsätze auf dem Motorrad keine Befriedigung mehr brachten, zog es den Kerpener ins Kerngeschäft zurück. Im Juli 2009 verhinderte noch das Veto der Ärzte einen Einsatz als Ferrari-Ersatzfahrer für den verunfallten Felipe Massa. Fünf Monate später unterschrieb Schumacher dann für drei Jahre bei Mercedes, doch das Denkmal bröckelte: WM-Plätze acht, neun und 13, ein einziges Rennen auf dem Podium.

MICHAEL JORDAN (Basketball): Auf dem Höhepunkt seines Schaffens verabschiedete sich „His Airness“ 1993 nach drei NBA-Titeln in Serie von den Chicago Bulls. Jordan, damals 30, wechselte die Sportart, spielte Baseball – in Gedenken an seinen kurz zuvor ermordeten Vater James. Zwei Jahre bemühte er sich jedoch vergeblich um einen Platz im MLB-Team der Chicago White Sox. 1995 verkündete Jordan mit einer zwei Worte langen Presseerklärung („I’m back“) seine Rückkehr zu den Bulls und wurde noch dreimal Meister.

KATARINA WITT (Eiskunstlauf): Die Vorzeige-Sportlerin der DDR wurde zweimal Olympiasiegerin, viermal Weltmeisterin. 1988 trat Witt zurück, Vier Jahre später gab sie ihr Comeback. Doch der Sport hatte sich ohne die Witt weiterentwickelt: Bei den Olympischen Winterspielen in Lillehammer reichte es nur noch zum 7. Platz.

LANCE ARMSTRONG (Radsport): Mit seiner Rückkehr in den Radsportzirkus 1998 nach anderthalbjähriger Pause wegen einer lebensbedrohlichen Krebserkrankung und den folgenden sieben Tour-Siegen erschuf der Texaner einen Mythos, auf den er sich zeit seiner Karriere berief, der aber spätestens mit der Enttarnung als einer der skrupellosesten Doping-Betrüger im Herbst 2012 zu Staub zerfiel. 2005 hatte Armstrong seinen Rücktritt erklärt, vier Jahre später meldete er sich zurück und fuhr noch zweimal die Tour – und musste sich mit den Rängen 3 und 23 zufrieden geben. Heute besitzt er keinen einzigen Tour-Titel mehr.

BJÖRN BORG (Tennis): Mit 25 Jahren hatte der Schwede fünfmal Wimbledon und viermal die French Open gewonnen – und die Motivation verloren. 1991 nahm Borg nach siebenjähriger Pause einen neuen Anlauf. Der fast 35-Jährige war aber nur noch ein Schatten seiner selbst.

GREG LEMOND (Radsport): Im April 1987 war LeMond so gut wie tot. Bei einem Jagdunfall wurde der Amerikaner, der ein Jahr zuvor die Tour de France gewonnen hatte, von seinem Schwager lebensgefährlich verletzt, mehr als 60 Schrotkugeln landeten in seinem Körper. 1989 kehrte er zur Tour zurück, noch immer mit zahlreiche Kugeln im Körper – und gewann nach einem dramatischen Duell mit acht Sekunden Vorsprung auf den Franzosen Laurent Fignon. 1990 folgte LeMonds dritter und letzter Triumph auf der Großen Schleife.

MONICA SELES (Tennis): Seles eroberte 1991 als bis dahin jüngste Tennis-Spielerin der Geschichte Platz 1 der Weltrangliste, die jahrelange Dominanz von Steffi Graf bröckelte. Dann kam der 30. April 1993. Auf dem Center Court in Hamburg wird Seles von einem verwirrten Graf-Fan niedergestochen. Es ist der Tag. Seles’ äußerliche Wunde heilte schnell, und dennoch dauert es Jahre, ehe die einst zähe Kämpferin auf den Tennisplatz zurückkehrte. Zwar feierte sie 1996 bei den Australian Open einen weiteren Grand-Slam-Sieg, doch sie hatte mit einer Essstörung zu kämpfen, ehe sie 2008 ihre Laufbahn endgültig beendete.

NIKI LAUDA (Formel 1): Eine Karriere, die einfach verfilmt werden musste: Der Österreicher kam 1976 ein Jahr nach seinem ersten WM-Titel im Feuer-Inferno auf dem Nürburgring nur knapp mit dem Leben davon, blieb von schweren Verbrennungen gezeichnet. Nur 42 Tage später feierte der Ferrari-Pilot in Monza sein Comeback, wurde 1977 erneut Weltmeister. Zwei Jahre später trat Lauda zurück, um sich seiner Fluglinie zu widmen. 1982 holte ihn McLaren aus dem sportlichen Ruhestand, 1984 gewann Lauda ein drittes Mal die WM-Krone.

Artikel 3 von 11