Schmidteinander

von Redaktion

Spielen, zocken, gegen die Kiste treten – was Augsburgs Neuer anders macht

VON GÜNTER KLEIN

Frankfurt/Augsburg – Zu seinem Einstand in Augsburg hat Martin Schmidt erzählt, in welchem Zwiespalt man als Fußball-Trainer lebt. Man selbst hat gerade keinen Job (war nach seinem Rücktritt beim VfL Wolfsburg 14 Monate lang so) und ist darauf angewiesen, dass irgendwo eine Stelle frei wird – was aber zu Lasten eines Berufskollegen geht. „Und bei manchen“, so Schmidt, „denkt man: Mit denen könntest du dir vorstellen, richtig befreundet zu sein.“

Martin Schmidt, der Schweizer, redet über andere Menschen grundsätzlich nicht schlecht („Ich kritisiere nie Schiedsrichter“) und würde folglich auch nie einen anderen Trainer negativ darstellen – was bisweilen in der Branche geschieht, wenn es darum geht, die Arbeit eines Vorgängers zu bewerten. Schmidt übernahm vor einer Woche den FC Augsburg von Manuel Baum und erzählte nach seinem Debüt mit dem 3:1-Sieg bei Eintracht Frankfurt: „Kompliment, Manuel Baum hat mir eine fitte und intakte Mannschaft überlassen.“ Er nannte sein neues Team gar eine „Top-Mannschaft. Man könnte in einer Woche sonst nicht aus einer faulen Mannschaft eine Spitzenmannschaft machen.“

Trotzdem muss es etwas gegeben haben, das Schmidt anders macht als Baum. Offensichtlich hat ja eine Befreiung stattgefunden. Selbst bei Marco Richter, der zwei Tore erzielte und ja eigentlich ein Baum-Zögling ist, der von seinem nun ehemaligen Trainer durch Nachwuchs, Amateurmannschaft und hinauf zu den Profis geleitet wurde.

Schmidt, 52, Skilehrer-Ausstrahlung, hat vor allem seine Motivationskraft wirken lassen. „Wir haben im Training gespielt und gezockt“, sagt er. Den letzten Kick, den er dem Team mit auf den Rasen gegeben hat: Er trat in eine Kiste, die in der Kabine stand. „Ich weiß nicht, ob die das überlebt hat“, sagte Marco Richter.

Manuel Baum, der sich auf dem Cheftrainerposten zweieinhalb Jahre hielt, gewiss nicht mit der klassischen Entlassungsbilanz gehen muss und sicher weiter im Trainergeschäft bleibt, war zuletzt nicht mehr zu seinen Spielern durchgedrungen. Die fühlten sich überfrachtet mit Videoclips und Taktikanregungen in der FCA-Whats AppGruppe, offensichtlich bis weit in den Feierabend hinein. Baum-Kritiker Martin Hinteregger, mittlerweile nach Frankfurt verliehen, hatte in einer Art Hilfeschrei sein Smartphone gegen einen nicht internetfähiges Handy von 2008 ersetzt.

Schmidt wirkt. Das war auch an seinen vorigen Stationen so. In Mainz fing er mit einem Sieg an, in Wolfsburg mit einem Unentschieden nach Aufholjagd beim FC Bayern. In Augsburg erwischte er mit dem 3:1 beim Vierten Frankfurt einen optimalen Start, sieben Punkte liegt der FCA dadurch vor dem von der Relegation bedrohten VfB Stuttgart, den er am Samstag erwartet. Ein weiteres Augsburger Schmidteinander, und die Saison wäre gerettet. Ein Kurztrainingslager, das angedacht war, könnte sich der FCA sparen. Schmidt will „nicht alle Patronen verschießen“.

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