Weltstar auf der Bank

von Redaktion

James kommt derzeit nicht am starken Müller vorbei – Endet seine Bayern-Zeit im Mai?

VON ELISABETH SCHLAMMERL

München – James Rodriguez versucht, sich nichts anmerken zu lassen. Der Kolumbianer springt brav auf und jubelt, wenn die Kollegen vom FC Bayern auf dem Platz ein Tor schießen, und er musste in den vergangenen beiden Spielen sehr oft aufspringen und jubeln, insgesamt neun Treffer erzielten die Münchner gegen Dortmund und Düsseldorf. Er tut das gerne, allerdings noch lieber, viel lieber, würde er natürlich auf dem Platz stehen und mitspielen. James gehörte jedoch weder beim 5:0 im Gipfeltreffen mit dem Westfalen noch beim 4:1 bei der Fortuna zur Startelf. Gut zehn Minuten vor Ende war er gegen den Aufsteiger eingewechselt worden. Und es sieht ganz so aus, als ob James auch am Samstag im Bundesliga-Heimspiel gegen Werder Bremen nur Ersatz sein wird. Seine Position ist besetzt von Thomas Müller – und der füllt sie glänzend aus.

Der Münchner Vizekapitän hat der Leihgabe von Real Madrid den Rang abgelaufen, er harmoniert bestens mit Robert Lewandowski. Der Bayern-Stürmer betonte schon öfters, dass er mit Müller bestens harmoniert, weil der Räume schaffe – Räume im Strafraum für Lewandowski. „Thomas’ Laufweg ist immer nach vorne, mit viel Bewegung“, sagte der Pole.

Noch im Februar war Müller zum Verlierer des Duells in der Münchner Mittelfeldzentrale ausgerufen worden. James hatte sich endlich den zuvor eingeforderten Stammplatz unter Trainer Niko Kovac erobert und den deutschen Kollegen verdrängt. Er habe, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic, „den Spielen seinen Stempel aufgedrückt“.

Es waren allerdings nur nationale Partien gewesen, in denen der Südamerikaner überzeugt hatte. In den beiden Champions League-Duellen mit FC Liverpool dagegen ist er abgetaucht. Bei der Begegnung in München war er da zwar nicht alleine, aber gerade von James hätte man erwartet, dass er dem bayerischen Offensivspiel Impulse gibt. Dass ihm dies in einer wichtigen Partie wieder einmal nicht gelang, dürfte Kovac in seiner Meinung bestätigt haben. Der Bayern-Trainer schien von Anfang an nicht ganz überzeugt davon, dass James der Spieler sein kann, der den Unterschied ausmacht – und eine zentrale Figur beim Umbruch spielen würde.

Zudem ist Kovac offenbar mit dem Defensivverhalten des 27-Jährigen nicht immer ganz einverstanden. „Verteidigen ist das Einfachste – ein Handwerk“, sagte der Coach nach dem kuriosen 5:4-Sieg gegen Zweitligisten FC Heidenheim im DFB-Pokal. „Aber man muss es auch umsetzen. Man muss es von sich aus wollen. Auch, wenn man Künstler ist.“

Noch vor ein paar Wochen war sich Karl-Heinz Rummenigge sicher, dass man die Kaufoption für James bis Mitte Juni ziehen werde. „Ich gehe fest davon aus, dass James auch in der nächsten Saison beim FC Bayern spielen wird“, sagte der Münchner Vorstandschef und befand: „Er ist ein Weltstar.“ Ein Weltstar mit einem Stammplatz auf der Reservebank.

Mittlerweile dürfte Rummenigge nicht mehr ganz so euphorisch sein. Über die Zukunft von James war jedenfalls schon länger nichts mehr zu hören beim deutschen Rekordmeister. Es sieht ganz so aus, als ob die Zeit des Mittelfeldspielers beim FC Bayern nach dieser Saison endet.

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