Fitness-Training sogar in der Freizeit

von Redaktion

Nirgendwo in der DEL wird ein solcher konzeptioneller Aufwand betreiben wie bei den Adlern

München – Auf die Adler Mannheim traf der EHC München 2018 im Halbfinale. Die Serie wurde wegen eines Konflikts zu einem Stück Eishockey-Geschichte. Für seinen rücksichtslosen Bandencheck gegen den Mannheimer Matthias Plachta wurde der EHC-Grobian Steve Pinizzotto für fünf Spiele gesperrt. Plachta kehrte nach vier Tagen Pause aufs Eis zurück, war fortan Reizfigur des Münchner Publikums und entwickelte sich selbst zum Täter, als er den Münchner Verteidiger Lauridsen verletzte. Auch zwischen den Verantwortlichen auf beiden Seiten (die Geschäftsführer Rene Dimter, EHC, und Daniel Hopp, Adler) herrschten massive Verstimmungen. Sportlich hatte München die Mannheimer im Griff und gewann die Serie 4:1.

Jedoch: „Man kann die Mannheimer von damals nicht mehr mit den heutigen vergleichen“, findet Mads Christensen, Stürmer des EHC. „Anderer Trainer, andere Mannschaft.“ Und: anderes Konzept. Investiert wurde zwar auch ins Personal, doch vor allem in die Herangehensweise. Mannheim hat Eishockey in Deutschland auf eine neue Stufe der Professionalisierung gehoben. Unter Pavel Gross wird intensiver gearbeitet als je zuvor.

Ablauf eines Trainingstags: Erst gehen die Spieler in den Kraftraum, danach werden sie auf einer der beiden Eisflächen in ihrer Arena vom finnischen Skillscoach Pertti Hasanen, 64, erwartet, zu Grundlagenübungen im technischen und läuferischen Bereich. Ohne große Pause geht es hinüber in die große Halle fürs eigentliche Training: Spielformen. Und nach dem Training: noch eine Runde Kräftigung und Stabilisierung oder Zirkel – individuell gesteuert.

Pavel Gross und sein Assistent Mike Pellegrims (letzte Saison Headcoach in Düsseldorf, dort aber gefeuert) pflegen ein autoritäres Regiment – doch sie gehen mit Eifer voran. Weil das Team sich so souverän und schnell durch die Playoffs spielte, scouteten Gross und Pellegrims ihre möglichen Gegner, schon in den Pre-Playoffs wurden sie mit Notizen schreibend gesichtet – in Straubing, in Nürnberg. Die Adler wollen auf alles vorbereitet sein. Die beiden Trainer sahen in München das fünfte Spiel von AEV – EHC, zum siebten schickten sie einen Scout.

„Das Mannheimer Überzahlspiel ist herausragend“, weiß Don Jackson, Münchens Meistertrainer. 32,5 Prozent Erfolgsquote sind der Spitzenwert in der Liga. München steht bei bescheidenen 12,12 Prozent. Die Adler kommen mit weniger Strafminuten aus (14,44:18,69 Minuten), ihre Torbilanz aus neun Playoff-Spielen beträgt 38:16, bei den Münchnern (13 Spiele) 27:25.

Für die Torflut sorgten vor allem Markus Eisenschmid, ein deutscher Jung-Nationalspieler, den die Adler nach seiner ersten WM (2018) aus Nordamerika (Laval Rocket) geholt hatten, und Andrew Desjardins, Ben Smith und Luke Adam, ehemalige NHL-Spieler. Eine Punktemaschine ist Mark Katic. Der kanadische Verteidiger blieb in der Hauptrunde mit für ihn 51 Spielen ohne Strafzeit, in den Playoffs musste er gerade einmal in die Kühlbox – fairplaypreisverdächtig.

Das personelle Angebot ist umwerfend gut. Marcus Kink, immer noch aktueller Nationalspieler und stets beseelt von Spielwillen, musste schon auf die Tribüne und kommt über die vierte Sturmreihe nicht hinaus. In der steht jedoch auch Marcel Goc, bei Olympia 2018 noch Kapitän des deutschen Silber-Teams und sein halbes Leben lang NHL-Spieler. In der besten Liga der Welt liegt die Zukunft von Adler-Verteidiger Moritz Seider, der eben erst 18 wurde und das Junioren-Gitter vom Helm abmontieren durfte. Er gilt als sicherer Erstrunden-Draftpick der NHL.

In einem späten Karrierehoch ist Torwart Dennis Endras, 33. Seine Frau Lisa ist Fitnesstrainerin, sie erklärt auf Instagram Übungen, die ihr Mann neben dem Adler-Training noch macht.

Dafür ein Like von Pavel Gross. GÜNTER KLEIN

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