Knappe Eishockey-Serie

Schmuckstück für die Liga

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Im deutschen Eishockey-Finale nun also wie erwartet Erster und Zweiter. Mannheim und München, die bestausgestatteten Organisationen in der DEL. Das war absehbar. Man ist versucht zu sagen: Gähn.

Es wäre das falsche Urteil. Denn eine der beiden Halbfinalserien hat über die Eishockey-Szene hinaus interessiert, was natürlich vor allem an der Entwicklung lag, die sie nahm. Und am Kern der Geschichte: Außenseiter muckt auf, Favorit wackelt. Wenn das kleine Team dann auch noch für Tradition steht und das andere vor allem als Konstrukt wahrgenommen wird, ist das eben eine Sportstory, der man sich nicht entziehen kann.

Dass es zwischen Münchnern und Augsburgern so knapp herging, das schmückt die Liga. Zwar setzen sich Adler Mannheim und EHC München, der Red-Bull-Club, vom großen Rest ab (auch der Nürnberger Investor Thomas Sabo, bekannter Schmuckhändler, gab zu, in diesen Dimensionen nicht mehr mithalten zu können), doch das System Playoffs lässt Umstürze zu. In einer auf maximal sieben Spiele verdichteten Mini-Saison werden die sekundären Faktoren der Spieler wichtiger: Auch die weniger talentierten und daher billigeren können kämpfen, Schüsse blocken, Schmerzen überwinden. So wächst das kleine Team und schrumpft das große, weil es seine Sicherheit verliert – und auf einmal schauen sie sich in die Augen, wie zwischen München und Augsburg geschehen. Begünstigt wird eine solche Konstellation auch dadurch, dass die Unterschiede im Eishockey nicht so gewaltig sind wie im Fußball. Der Vorsprung von EHC und Adlern ist nicht so gravierend wie der von FC Bayern und BVB. DEL-Hauptrundensieger Mannheim hat 15 seiner 52 Spiele verloren – gut für die Liga.

Ein Augsburger Halbfinal-Erfolg über den EHC München hätte der DEL noch mehr Publicity gebracht, aber wäre der Spannung des Finales dann wohl abträglich gewesen. Und die Panther gehen nicht als Verlierer aus der Serie. Ihre Realität ist, dass sie nur ein gelegentlicher Playoff-Gast sind – daher brauchen sie ab und an ein Ausreißer-Jahr, das das Umfeld beflügelt und seine Loyalität festigt. Augsburg erlebte Playoff-Wochen, an denen es sich lange wird aufrichten können. Geliebt zu werden und sozusagen eishockeykulturell mit den klar besseren Zuschauerzahlen das Halbfinale gewonnen zu haben – das war der Trostpreis des kleinen Mannes.

Guenter.Klein@ovb.net

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