München – Der Mann vom Privat-Fernsehen wartete mit bedeutungsschwangerem Blick auf seine Live-Schalte von der Säbener Straße. Er darf gleich erzählen, dass Manuel Neuer, der Torhüter des FC Bayern, auf einer Pressekonferenz etwas mitzuteilen habe. Davor hatte die Medienabteilung des Rekordmeisters bereits versuchen müssen, zahlreiche hektische Kollegen zu beruhigen. Die Ankündigung eines Medientermins mit dem Bayern-Kapitän hatte für Aufgeregtheiten gesorgt, bei Journalisten aber auch bei Fans in den Sozialen Netzwerken. Die Spekulationen reichten angesichts der jüngsten Verletzung Neuers von Saison-Aus bis Karriereende.
Der Torhüter selbst habe „so ein bisschen darüber geschmunzelt“, denn es gab – wie zu erwarten – nichts zu verkünden, was einen derartigen Hype gerechtfertigt hätte. Der Termin sei einfach bereits vor dem Spiel in Düsseldorf, bei dem er sich einen Muskelfaserriss in der linken Wade zuzog, abgesprochen gewesen, und diesen habe er auch verletzt nicht absagen wollen, sagte Neuer.
Er gab sich dann nicht ganz so optimistisch wie der Verein, der drei Tage zuvor noch über eine Pause von voraussichtlich zwei Wochen für Neuer gesprochen hatte. „Ich denke“, sagte der 33-Jährige, „dass Leipzig ein realistisches Ziel ist“, die vorletzte Bundesliga-Partie der Saison am 11. Mai also. „Aber man wird peu à peu sehen.“
Für Neuer kam der Faserriss nicht ganz überraschend nach der fast einjährigen Pause wegen eines Mittelfußbruchs in der vergangenen Saison. „Wenn man sechs Monate auf Krücken gegangen ist, kann man fast davon ausgehen“, dass ein Muskel auf die Belastung reagiere, sagte Neuer: „Ich habe schon viel früher damit gerechnet.“ Andererseits habe sich die Verletzung nicht angekündigt – trotz der Wadenblessur, die ihn zu einer Pause in Freiburg und gegen Heidenheim gezwungen hatte.
Neuer wird nun zwar seinen Job zwischen den Pfosten vorübergehend Sven Ulreich überlassen, aber als Kapitän trotzdem nah an der Mannschaft bleiben in der finalen Phase der Saison. „Und falls mir was auffällt, werde ich auch meinen Senf dazugeben“, sagte Neuer. Er sieht sein Team im Kampf um den Meistertitel vor dem Heimspiel am Samstag gegen Werder Bremen mental im Vorteil gegenüber Dortmund – nicht nur wegen des Punktes Vorsprung. Man habe die letzten beiden Spiele klar entschieden – im Gegensatz zu dem Verfolger aus Westfalen, sagte Neuer: „Und das ist wichtig“. ELISABETH SCHLAMMERL