Frankfurts Euro-Gala

Die Asterixe vom Main

von Redaktion

ARMIN GIBIS

Es ist einem ja in letzter Zeit nicht ganz leicht gemacht worden, sich für den deutschen Fußball – auf internationaler Ebene – noch groß zu begeistern. Das diesbezügliche Stimmungstief, das 2018 mit der WM-Blamage begann, spiegelte sich auch im kontinentalen Teamwettbewerb wider. Sogar der FC Bayern verabschiedete sich unstandesgemäß früh. Doch es gibt eine mitreißend wehrhaft auftretende Ausnahme: Eintracht Frankfurt. Sicher, man muss nicht gleich das Superlativ vom Fußballwunder bemühen. Aber eine überaus erstaunliche Gesamtvorstellung war es schon, die die Hessen in der Europa League bislang hinlegten. Sogar Trainer Adi Hütter beschlich der Eindruck, seine Spieler würden vor jeder Partie „einen Zaubertrank“ zu sich nehmen.

Nur zu Erinnerung: Noch 2016 gaben die Asterixe vom Main eine eher kümmerliche Figur ab. Da retteten sie sich erst in der Relegation vor dem Abstieg. Doch seither ist es gelungen, höchst effektiv an der Konkurrenzfähigkeit zu basteln. Sportchef Fredi Bobic ließ auf dem Transfermarkt – mit relativ bescheidenen Finanzmitteln – ein glückliches Händchen walten (siehe u. a. Jovic, Haller, Rebic, Kostic, Costa), unter Coach Niko Kovac gewannen die Frankfurter spielerisches Profil, der Endspielsieg 2018 im DFB-Pokal gegen den FC Bayern markierte den ersten Höhepunkt der rasanten Aufwärtsentwicklung. Und der nächste große Schritt folgte bereits in dieser Saison, in der die Frankfurter so spektakulär aufspielen wie seit 25 Jahren nicht mehr. Also zu Zeiten, als die Stars noch Bein, Möller, Yeboah, Okocha, Stein hießen …

Der Unterschied zu damals ist, dass unter Trainer Hütter die Frankfurter wie nur selten zuvor ihrem Vereinsnamen alle Ehre machen. Denn sie präsentierten sich in bei ihren vielen berauschenden Auftritten – wie auch zuletzt gegen Lissabon – als Eintracht. Sicher, das Prunkstück ist die so brachiale Offensive. Aber die Basis des aktuellen Erfolgs sind Teamgeist, Leidenschaft, Willensstärke. Tugenden, die vom Publikum innig gefeiert werden. Wie immer das Halbfinal-Duell mit dem Starensemble des FC Chelsea auch ausgehen wird: Die Mannschaft der deutschen Herzen sind die Frankfurter schon jetzt.

Armin.Gibis@ovb.net

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