Die Geschichte einer Genugtuung

von Redaktion

München eröffnet Eishockey-Finalserie mit Sieg, fängt sich aber zwei harte Checks ein

VON GÜNTER KLEIN

Mannheim/München – Ein Meister sollte anders jubeln. Beiläufiger, als würde ihn die Sache nicht großartig bewegen. Ist schließlich normal, wenn er ein Spiel gewinnt.

Doch der Jubel des EHC München, nachdem er im ersten Spiel der auf Best of Seven angelegten deutschen Eishockey-Finalserie in der 19. Minute der Verlängerung den Treffer zum 2:1 erzielt hatte, war mehr als routiniert und pflichtgemäß vorgetragener Ausdruck von Freude. Die Mienen der Spieler erzählten eine Geschichte. Die einer Genugtuung: Dass man immer noch das Zeug hat, die Nummer eins zu sein, auch wenn der Endspielgegner Mannheim in der Hauptrunde die meisten Punkte hatte, souveräner durch Viertel- und Halbfinale zog und in fast allen statistischen Kategorien die besseren Werte aufwies. Die Adler Mannheim gingen als ausgeruhter Favorit ins Finale. Und sind es nun ein bisschen weniger. München hat Mannheims Heimvorteil erst einmal gekillt vor den Spielen zwei (Samstag, 20 Uhr, in München) und drei (Ostermontag, 14 Uhr) in Mannheim.

Übersehen worden war in den Vorab-Einschätzungen der Serie, dass es in den vier Begegnungen der beiden Teams in der Hauptrunde keinen Heimsieg gegeben hatte. Der EHC hatte seine Punktspiele in Mannheim mit 5:4 nach Penaltyschießen (Oktober) und regulär 2:1 (Februar) gewonnen – insofern war der jetzige 2:1 (0:0, 0:1, 1:0, 1:0)-Sieg nach Verlängerung ein Ergebnis, das zur Historie passte. Doch das Spiel war anders als die vorangegangenen: Die Adler waren dominanter, was sich in der Bilanz von 97:54 Schüssen (41:28 aufs Tor) äußerte. Sie gingen in Führung (durch Ben Smith, 25., technisch kaum zu toppen), und dem ersten Tor wird in Playoff-Partien immer eine größere Bedeutung beigemessen als im Liga-Alltag.

Die Adler wirkten auch robust. Beispiel: Matthias Plachta, ihr Stürmer, fing einen Check von Keith Aulie ab, ohne dabei zu wackeln – es schleuderte vielmehr den Münchner 103-Kilo-Klotz aufs Eis; Aulie ging raus, kam noch einmal wieder, konnte das Spiel aber nicht beenden. Auch für Mads Christensen war Schluss nach einem regelkonformen Mannheimer Check auf offener Eisfläche. Mit Justin Shugg musste ein weiterer EHC-Crack kurz in die Kabine (er hatte einen Schlag auf den Oberarm bekommen). Emil Quaas, Ersatzverteidiger des EHC und meist beim Kooperationspartner SC Riessersee im Einsatz, bekam 16 Minuten Eiszeit.

Unbillen, die die Münchner wegsteckten. Mit einem Unterzahltreffer durch Matt Stajan (wo doch das Mannheimer Powerplay als State of the Art gilt) und dem Siegtor durch Frank Mauer, der einen Boyle-Schuss zum 2:1 abfälschte. Die Mannheimer standen entblößt da, obwohl „wir 60 Minuten gut gespielt“ (Smith) und „und nichts vorzuwerfen haben“ (Plachta). „Wir müssen besser spielen, denn auch die Adler werden zulegen“, meinte Mauer.

Der Mannheimer Trainer Pavel Gross sieht nie nach guter Laune aus, am Donnerstagabend hatte er richtig schlechte und fasste sich kurz: „München hat das Spiel durch seine Erfahrung entschieden. Wir müssen ein paar Sachen anpassen.“

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