München – Es gehört zu den Ritualen des Favoriten, den Gegner erst einmal kräftig zu loben. Das macht jeder Fußball-Trainer. Fast jeder, denn (der derzeit arbeitslose) José Mourinho zum Beispiel lobt eigentlich nur sich selbst. Niko Kovac, der Coach des FC Bayern, dagegen nutzt diesen beliebten Kniff gerne, um den Fokus der eigenen Mannschaft zu schärfen und die Erwartungen des Umfelds etwas zu dämpfen. Die Hymnen von Kovac unterscheiden sich nicht von denen der Kollegen und sind nicht besonders einfallsreich. Und manchmal helfen sie nicht einmal, wie Ende März, als die Münchner die Partie beim SC Freiburg ziemlich lasch angegangen waren und als Quittung ein 1:1 präsentiert bekommen hatten.
Auch vor der Partie am Ostersamstag gegen Werder Bremen (15.30 Uhr, Sky) beschäftigte sich Kovac am liebsten damit, die Sinne zu schärfen, zumal die Münchner vier Tage nach der Bundesliga-Partie auch noch im Pokal-Halbfinale gegen die Norddeutschen antreten müssen. Dieses Doppel–Duell, findet Kovac, „ist natürlich eine besonders Situation. Aber wir müssen uns auf das erste Spiel konzentrieren.“ Man treffe auf einen Gegner, sagt er, „der in sehr guter Form ist“.
Das war, im Gegensatz zu vielen anderen Lobeshymnen, nicht einmal übertrieben. Bremen hat noch kein Spiel in der Rückrunde verloren und ist neben Paris St. Germain das einzige Team in den großen europäischen Ligen, das in jedem Spiel getroffen hat. Ein wenig erinnert das aktuelle Werder an die erfolgreichen Zeiten unter Trainer Thomas Schaaf Mitte des vergangenen Jahrzehnts mit dem Double 2004. Den Meistertitel hatten sich die Bremer damals mit einem 3:1 am drittletzten Spieltag gesichert – bei Titelverteidiger Bayern.
Werder ist zwar noch längst nicht wieder ein Herausforderer des FC Bayern, aber auch keine Mannschaft mehr, die in München so mutlos auftreten wird wie in den vergangenen Jahren. Bremen ist zwar noch nicht ganz wieder auf Augenhöhe mit den Bayern, aber auf dem besten Weg, sich einmal wieder seit 2010 für einen internationalen Wettbewerb zu qualifizieren.
„Wir haben auch Waffen, um ein Spiel für uns zu entscheiden“, sagte Trainer Florian Kohfeldt. Sich in der eigenen Hälfte zu verbarrikadieren, um kein Tor zu kassieren, werden sich die Bremer aber auf keinen Fall, verspricht der Trainer. Das, sagt er, „kann nicht das Ziel sein.“
Die beiden Duelle sind von gegenseitigem Respekt begleitet. Bayerns Vereins-Boss Karl-Heinz Rummenigge lobte die Entwicklung des Gegners als „sehr positiv, da Werder Bremen für die Bundesliga immer ein wichtiger Club war“, sagte er im Internetportal „meinwerder.de“. Werders Ex-Trainer Schaaf, mittlerweile Technischer Direktor beim Tabellen-Siebten, schrieb in seiner Kolumne im Portal „Deichstube“, dass es „eine große Leistung ist, immer an der Spitze sein zu wollen und das auch fast immer zu schaffen“.
Am Samstagnachmittag ist es aber vorbei mit den Lobhudeleien von beiden Seiten. „Wir möchten und müssen gewinnen“, sagte Kovac mit Blick auf den Titelkampf. Neben dem verletzten Torhüter Manuel Neuer wird wohl auch Mats Hummels ausfallen. Der Innenverteidiger laboriert noch an der in Düsseldorf erlittenen Zerrung. „Wir gehen kein Risiko ein“, sagte Kovac, zumal vier Tage später im Pokal in Niklas Süle ohnehin ein Innenverteidiger wegen einer Sperre fehlen wird Womöglich kehrt Corentin Tolisso nach seinem Kreuzbandriss vor sieben Monaten in den Kader zurück.