München – Gerade einmal drei Wochen ist es her, da war die Lage der Fußballerinnen des FC Bayern eine völlig andere. 20 Pflichtspiele in Folge war die Mannschaft ungeschlagen, zwei oder sogar drei Titel schienen möglich. Doch in den letzten drei Spielen hat sich viel geändert, dem 0:4 im Pokalhalbfinale gegen Wolfsburg folgten zwei Unentschieden gegen Essen und in Sand. Im Meisterrennen der Bundesliga müssen die Bayern-Frauen nun hoffen, dass der VfL Wolfsburg ebenfalls unerwartet Punkte liegen lässt. Die jüngste Ergebniskrise kommt zur Unzeit, denn am Sonntag steht im bereits ausverkauften Stadion auf dem Bayern-Campus das Hinspiel im Halbfinale der Champions League gegen den FC Barcelona (18 Uhr, live auf Sport1) an. Trainer Thomas Wörle sprach vor der Partie „vom größten Spiel in der Vereinsgeschichte der Frauen-Abteilung des FC Bayern“. Um gegen Barca zu bestehen, wird sich die Mannschaft steigern müssen. Sowohl gegen Essen wie auch in Sand waren die Bayern-Frauen zwar drückend überlegen, konnten aber reihenweise Torchancen nicht nutzen. Dass dies ein mentales Problem ist, glaubt Wörle nicht. „Wenn du wie in Sand viermal Aluminium triffst, hast du fast alles richtig gemacht. Hier und da haben ein paar Zentimeter gefehlt, und wir sind auch an einer überragenden Torhüterin gescheitert“, erklärte Wörle. „Vielleicht ist es ein bisschen Kopfsache, aber wir können das. Entscheidend ist, dass wir uns viele Torchancen herausspielen, alles andere wird dann wieder kommen. Ich glaube, dass das Selbstvertrauen trotzdem da ist.“
Neben der Offensive könnte am Sonntag allerdings auch die Defensive in den Blickpunkt rücken, denn mit dem FC Barcelona reist ein europäisches Top-Team nach München, das vor allem im Angriff hochkarätig besetzt ist. Zahlreiche spanische Nationalspielerinnen werden verstärkt durch die frühere Weltfußballerin Lieke Martens aus den Niederlanden und die englische Nationalspielerin Toni Duggan, die in dieser Saison mit fünf Treffern auf Rang zwei der Torjäger-Liste der Champions League liegt. Dazu kommt die pfeilschnelle nigerianische Angreiferin Asisat Oshoala, „eine der interessantesten Stürmerinnen überhaupt derzeit“, wie Wörle erzählte.
Der Spielstil ist dabei durchaus vergleichbar mit der Männermannschaft des FC Barcelona. Die Spanierinnen setzen auf Ballbesitz, ein variables Pass- und Positionsspiel sowie Gegenpressing. Da auch das Spiel der Bayern-Frauen auf Ballbesitz ausgelegt ist, ist eine attraktive Partie Spiel zu erwarten. „Barca lebt vom Kombinationsspiel“, sagte Abwehrspielerin Kristin Demann: „Wir dürfen nicht so sehr auf einzelne Spielerinnen schauen, sondern müssen als ganze Mannschaft gegen das Kollektiv von Barca bestehen.“ Möglichst kein Auswärtstor zulassen, aber das Offensivspiel nicht vernachlässigen, so lautet die Devise. „Wir müssen versuchen, die beiden letzten Spiele auszublenden. Wir freuen uns mega auf das Spiel! Es ist etwas ganz Besonderes, in der Champions League zu spielen“, erklärte Verteidigerin Verena Schweers. Ein Sieg am Sonntag würde den Traum vom Finale in Budapest am Leben erhalten und wohl auch einen Schub für den Bundesliga-Endspurt geben. Keine Frage, der Zeitpunkt wäre perfekt, um die Ergebniskrise zu beenden.