Verrückt, brillant – und brutal für Pep

von Redaktion

Tottenham und ManCity sorgen für einen Thriller – Kritik an Ex-Bayern-Coach Guardiola

VON PHILIP DETHLEFS

Manchester – Pep Guardiola sackte auf die Knie. Ungläubig und enttäuscht schlug der Starcoach die Hände über dem Kopf zusammen. Der spektakulärste Sieg der Saison war für Manchester City in Wirklichkeit die bitterste Niederlage – auch für den Trainer. Trotz des 4:3 (3:2) gegen Tottenham Hotspur (Hinspiel: 0:1) im Rückspiel des Champions-League-Viertelfinals hatte der Spanier zum dritten Mal nacheinander mit dem englischen Fußball-Meister die Vorschlussrunde der Königsklasse verpasst. „Das ist hart, das ist grausam“, klagte Guardiola nach dem denkwürdigen Mittwochabend, „aber wir müssen das akzeptieren.“

Die britische Presse feierte den atemberaubenden Sieben-Tore-Kracher bereits als Klassiker. „Verrückt, bekloppt, brillant“, titelte die Zeitung „Telegraph“, BBC Sport nannte es „ein erbarmungsloses Drama“, und die „Times“ schrieb: „Spurs und VAR zerstören Citys Traum von vier Titeln“ (VAR = Video-Assistent, d. Red.)

Während die schon lange chronisch titellosen Spurs „ihre Zweifler verstummen ließen“ (BBC), muss sich Guardiola Fragen gefallen lassen. Als Coach des FC Barcelona holte er zweimal den Henkelpott, mit dem FC Bayern ging er leer aus, und nun war für ihn mit City zum dritten Mal vorzeitig Schluss. „Das ist Guardiolas Schuld“, befand das Boulevard-Blatt „Mirror“.

City-Fans hatten andere Schuldige. Der Video-Assistent war in der Nachspielzeit zum Einsatz gekommen. Raheem Sterling hatte das vermeintliche 5:3 für City geschossen. Das Stadion bebte, Guardiola jubelte, während Spurs-Coach Mauricio Pochettino erstarrte. Doch der türkische Schiedsrichter Cüneyt Cakir hatte bei der Ballabgabe kurz vorher eine Abseitsposition gesehen, die sich im Video bestätigte.

Schon 20 Minuten früher hatte Cakir beim spielentscheidenden 3:4 durch Fernando Llorente wegen eines vermeintlichen Handspiels den Video-Assistenten konsultiert. Das Tor zählte allerdings – zum Ärger von Guardiola, der damit nicht einverstanden war. „Ich unterstütze VAR“, sagte er. „Aber vielleicht ist das Tor aus einem Winkel ein Handspiel, vielleicht aus Sicht des Schiedsrichters nicht.“

Zuvor hatten sich die Premier-League-Clubs einen höchst spektakulären Schlagabtausch geliefert: frühe City-Führung durch Sterling (4. Minute), Doppelpack für die Spurs durch Heung-Min Son (7./10.), Ausgleich Bernardo Silva (11.). Als Sterling (21.) auch das 3:2 schoss, wurde das Stadion zum Tollhaus. „Ich bin so stolz auf die Spieler und die Fans“, sagte der geknickte Guardiola nachher. „Ich habe so einen Lärm noch nicht gehört, seit ich in Manchester bin. Aber Fußball ist unvorhersehbar.“

Tottenham agierte dann nervös und fehlerhaft. Als Sergio Agüero (59.) zum 4:2 traf, sah Man City wie der sichere Halbfinalist aus. Dann kam der eingewechselte Llorente und entschied das Duell für die Spurs, die nun zum ersten Mal seit der Saison 1961/62 in einem europäischen Halbfinale stehen. Tottenham-Coach Mauricio Pochettino sagte:. „Ich bin so glücklich, so stolz. Meine Spieler sind Helden.“ Nun treffen diese auf die Heroen von Ajax Amsterdam.

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