Schuldfragen werden im Fußball nur allzu gerne gestellt. Sie gehören nicht von ungefähr zum festen Repertoire der öffentlichen Spielanalyse. So ziemlich nach jeder Partie wird danach dringend gefahndet, wer die Gegentore verschuldet hat, den Elfmeter, den folgenschweren Freistoß, oder gar die ganze Niederlage. Markus Weinzierl, das war in den vergangenen Wochen offenkundig, sah sich infolge dieser Ursachenforschung zu Unrecht an den Pranger gestellt. Und so drehte er in seinem letzten aufsehenerregenden Auftritt als Trainer des VfB Stuttgart den Spieß einfach um. Und wandte sich bei einer Pressekonferenz in barschem Ton an die Medienschar. Die von ihm immer wieder bewusst wiederholte Redewendung lautete: „Bin ich schuld, dass …?“
Es handelte sich dabei um rein rhetorische Fragen, von denen Weinzierl offenbar annahm, sie beantworteten sich selbst. Und das zu seinen Gunsten. So sagte der sichtlich medienverdrossene Coach: „Bin ich schuld, dass wir vorne die Tore nicht machen und hinten Fehler machen?“ Fasst man das halbe Jahr zusammen, in dem Weinzierl beim VfB die sportliche Verantwortung trug, lässt sich allerdings nichts anderes entgegnen als: Klar. Wer sonst?
Sicher, nicht jeder kuriose Fehlschuss von Mario Gomez, der zuletzt zu besichtigen war, lässt sich zwingend auf Weinzierl zurückführen. Doch aussagekräftig ist mit Sicherheit die Gesamttendenz, und die ist stark abstiegsverdächtig: In den 23 Spielen unter Weinzierl brachten es die Stuttgarter gerade mal auf kümmerliche vier Siege. Mit 21 Punkten nach 30 Spieltagen hätte man in früheren Jahren bereits als sicherer Absteiger festgestanden. Eine Bilanz des Schreckens also.
Nun, dass bei Stuttgart die ganze Saison über der Wurm drin war, ist nicht allein Weinzierl anzukreiden. Den angeblich 160 Millionen Euro teuren Kader hat ja nicht er zusammengestellt. Doch das erklärt noch nicht, warum es dem Niederbayern zu keinem Zeitpunkt gelungen war, dem namhaften Personal auch nur ein bisschen Spielwitz und Wehrhaftigkeit beizubringen. Das katastrophale 0:6 in Augsburg legt vielmehr den Schluss nahe: Die VfB-Oberen haben sich zu lange Zeit gelassen, bis sie endlich den Schuldigen ausfindig gemacht haben.
Armin.Gibis@ovb.net