Mannheim/München – Vor dem dritten Finalspiel der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) hat sich Mike Pellegrims, der Co-Trainer der Adler Mannheim, etwas gewünscht: „Wir müssen wieder gut anfangen.“ Es kam dann so: In der fünften Sekunde knallte sein Stürmer Matthias Plachta den Puck ins Tor, nachdem Andrew Desjardins das Eröffnungsbully gewonnen und David Wolf sofort nach vorne gestürmt und quergelegt hatte. In der dritten Minute traf Trevor Parkes, Angreifer des EHC München, das Knie eines Mannheimers, was der Hauptschiedsrichter mit fünf Minuten plus Spieldauer bestrafte. In der sechsten Minute zupfte und zog Daryl Boyle, ebenfalls EHC-Profi, an einem fremden Trikot – noch einmal zwei Strafminuten. Und in der siebten Minute spielten die Adler das Fünf-gegen-Drei geschickt und geduldig aus, bis Desjardins direkt vor dem Tor an den Puck kam und ihn, hart und präzise, zum zweiten Mal hineinschoss. Das nennt man wohl gut anfangen.
Es ging dann auch ziemlich gut zu Ende für Mannheim, den Herausforderer. In der eigenen Halle, vor 13 600 Fans, besiegten sie den EHC München, den Meister der vergangenen drei Jahre, gestern 4:1 (2:0, 1:1, 1:0). In der Finalserie führen sie nun 2:1 – und machen München für das vierte Duell am Mittwoch (19.30 Uhr) zum Herausforderer.
Es hilft den Adlern gerade, dass sie den EHC in den ersten Sekunden so unter Druck setzen. Am Karsamstag, im zweiten Spiel der Serie, leiteten sie ihren 3:0-Sieg mit einem Treffer nach 81 Sekunden ein. Am Ostermontag dauerte es nur fünf Sekunden – DEL-Rekord eingestellt (1998 war Andre Faust für die Augsburger Panther ebenfalls so schnell gewesen). Die Tore beflügelten die Adler in einem Spiel, das sie gestern von Anfang an beherrschten. Ein Beispiel: Einmal stürmten drei Mannheimer ins EHC-Drittel, wo sie einem Münchner den Puck im Spielaufbau klauten. Im Finale bekämpfen die Adler den EHC mit den eigenen Waffen. Als der Münchner Frank Mauer nach dem ersten Drittel zum Blitz-Interview bei „Magentasport“ antrat, sagte er: „Wir schauen den Adlern beim Spielen zu, das ist einfach nicht gut genug gegen so eine Mannschaft.“
Das war eine unangenehme, aber zugleich treffende Zusammenfassung an einem Nachmittag, der für den EHC bereits mit schlechten Neuigkeiten angefangen hatte. Der Kanadier Mark Voakes, der schlaue Spielmacher des EHC, fiel verletzt aus. Trainer Don Jackson beförderte daher Andreas Eder in die dritte Reihe – und musste seine Formation erneut umstellten, als Parkes nach nur zweieinhalb Minuten wieder in die Kabine musste (eine Spieldauerstrafe, die TV-Experte Sven Felski als zu hart einstufte). Der EHC musste improvisieren, Mauer sagte es so: „Wir müssen hart arbeiten, mehr Schlittschuhlaufen.“ Das klappte in den ersten Minuten des zweiten Drittels ganz gut (München setzte sich in der Angriffszone fest), nur fällt dem EHC in diesen Playoffs das Toreschießen schwer (30 Tore in 16 Spielen). „Irgendwann müssen wir ein Tor schießen, egal wie“, sagte Andreas Eder. Das klappte immerhin in der 31. Minute. In Überzahl spielte Yasin Ehliz Patrick Hager hervorragend frei. Das Problem war nur: Zu dem Zeitpunkt hatte Mannheim schon den dritten Treffer vorgelegt. Als Danny aus den Birken, der EHC-Goalie, einen Schuss nur abprallen ließ, reagierte Desjardins sofort. Neben dem Tor schob er – mit Hilfe von Ryan Buttons Bein – den Puck über die Torlinie. Das war in Minute 26.
Als Hager dann traf, hoffte der EHC wieder. Die Aufholjagd, die folgen sollte, wurde aber gebremst. „Wir sitzen zu viel auf der Strafbank“, sagte Ehliz, „und dort gewinnst du keine Spiele.“ Wie man ein Spiel beendet, zeigten die Adler. Sie verteidigten geschickt, nahmen mit vielen Pässen hinter dem eigenen Tor Zeit von der Uhr. Und in der 57. Minute erhöhte Tommi Huhtala auf 4:1.