Neues Frühjahrs-Kribbeln

von Redaktion

FC Bayern fühlt sich dank Spannung im Saison-Endspurt besser fokussiert

VON ELISABETH SCHLAMMERL

München – Die Lust der Spieler des FC Bayern auf Fußball schien sich in Grenzen zu halten am freien Tag. Abschalten vom Bundesligaspiel gegen Werder Bremen, um sich ab gestern Nachmittag wieder auf Werder Bremen zu fokussieren, auf das Pokal-Halbfinale am Mittwoch – da spielte die Partie des Verfolgers im Titelkampf, Borussia Dortmund, in Freiburg keine große Rolle bei der Gestaltung des Ostersonntags, wie die Münchner via Instagram zeigten. Franck Ribery hatte für seine Kinder Osternester im heimischen Garten versteckt oder verstecken lassen und die Badesaison im Pool eröffnet. Die Müllers beschäftigten sich mit der Pflege ihrer Haustiere – und Mats Hummels testete den gezerrten Muskel im Oberschenkel, der ihn beim 1:0-Sieg gegen Bremen zu einer Pause zwang, auf der Schaukel mit schwungvollem Absprung.

Der Innenverteidiger ist bereit für die Reise nach Bremen. Am Montag absolvierte er beschwerdefrei das Training. Im Pokal wird er den Platz von Niklas Süle einnehmen. Der Nationalspieler ist gesperrt und wird den Bayern „von zu Hause die Daumen drücken“, wie er sagte. Er hatte dafür gesorgt, dass es ein gemütliches Osterwochenende wurde, weil der Ball nach seinem abgefälschten Distanzschuss eine Viertelstunde vor Schluss – anders als bei den vielen Chancen der Münchner davor und danach – den Weg vorbei am hervorragenden Bremer Keeper Jiri Pavalenka ins Tor fand. Manchmal müsse eben auch mal „so ein dreckiges Tor helfen“, sagte Süle, um die Bundesliga-Tabellenführung zu verteidigen – und nicht mit bangen Blicken auf Dortmund zu schauen.

Trainer Niko Kovac sprach von einem „Sieg der Geduld“, erwartet aber morgen eine von Anfang an rasantere Partie. „Wir müssen gewappnet sein, das wird eine enge Geschichte“, ist er sicher. Erst recht, wenn die Bayern spielen wie am Samstag in den ersten 45 Minuten, als sie „ein bisschen lethargisch“ auftraten, wie Leon Goretzka zugab – und Glück hatten, dass die Bremer diese Defizite nicht nutzten. Zum ersten Mal in der Rückrunde musste Werder eine Niederlage hinnehmen und blieb ohne Torerfolg. Im Heimspiel seien die Bayern, sagt Trainer Florian Kohfeldt, „eine Nummer zu groß“ gewesen. „Das muss am Mittwoch aber nicht wieder so sein.“

Ein entscheidender Faktor, ahnte Kovac, könnte der Bremer Heimvorteil sein. „Die ganze Stadt wird elektrisiert sein“, ist er sicher. Die Mannschaft werde im eigenen Stadion von den Fans „getrieben, gepusht“ und entsprechend „euphorisch ins Spiel gehen“.

Die Bayern befinden sich in diesem Saisonendspurt in einer zuletzt ungewohnten Situation. Seit 2013 war die Meisterschaft schon entschieden zu gunsten der Münchner, oder sie lagen zumindest fast unholbar in Führung, wenn es im Frühling um die entscheidenden letzten Schritte in den anderen beiden Wettbewerben ging. Mit Ausnahme einer Handvoll älterer Spieler wie Müller, Ribery oder Neuer kennt es niemand bei Bayern anders.

Die große Kunst war dann stets, die Spannung hochzuhalten. Dies gelang mal besser, mal schlechter. Jetzt spürt der FC Bayern wohl bis zum Bundesliga-Finale Mitte Mai in jeder Partie „dieses Kribbeln“ und nicht nur zwischendurch im Pokal und in der Champions League, wie Torhüter Sven Ulreich sagt: „Es sind jetzt alles Endspiele, da sind die Emotionen noch einmal höher, und man geht mit einem anderen Fokus rein als in die letzten Spiele der vergangenen Jahre.“

Vor drei Jahren hatten es die Bayern ebenfalls im Pokal-Halbfinale mit Bremen zu tun. Damals lagen sie in der Bundesliga mit einem komfortablen Vorsprung vor Dortmund an der Spitze. Werder musste dagegen – auf dem Relegationsplatz befindlich – noch um den Klassenerhalt kämpfen. Die beiden Teams trennten 47 Punkte, jetzt sind es mit 24 nur gut halb so viele. Aber es hat sich nicht viel verändert. „Wir haben jetzt die Möglichkeit, mit vier Siegen in der Bundesliga und zwei Siegen im Pokal das Double zu holen. Ich möchte beide Titel“, sagte Kovac. Die Gier der Bayern ist so groß wie eh und je.

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