Gelsenkirchen – Huub Stevens’ Gesicht drückte Sorge aus, sein Lächeln wirkte gequält, seine Knurrigkeit war nahezu verschwunden. Und erst lange nach dem Schlusspfiff des Schalker 2:5 gegen Hoffenheim wurde der Trainer wieder zum Kämpfer – und zum Mahner: „Wenn jemand die Situation unterschätzt, ist er hier nicht richtig.“
Ein Teil der Spieler ist es möglicherweise nicht, wenngleich Stevens sich mit öffentlicher Schelte zurückhielt und auch über die auffälligen Defensivschwächen seiner Elf gar nicht reden wollte: Er befürchtet womöglich, dass Kritik das schwache Nervenkostüm der Gelsenkirchener Profis noch mehr schädigen könnte.
Für Stevens ist das Dilemma des Tabellen-15. eine Kopfsache. „Wenn es zwischen den Ohren nicht gut sitzt, dann geht es auch in die Beine“, sagte er Stevens nach der zehnten Schalker Heimpleite in dieser Saison. Schon nach dem 0:1 durch Ishak Belfodil in der 25. Minute seien Köpfe runtergegangen.
Also wird der 65-Jährige dazu übergehen müssen, seine psychologischen Fähigkeiten auf die Mannschaft zu übertragen. Er muss sie starkreden vor dem ewig brisanten Auswärtsduell am Samstag mit dem Titelaspiranten Borussia Dortmund – und diese Auseinandersetzung sollte den Schalkern per se einen Motivationsschub versetzen.
Darauf baut auch Daniel Caligiuri. „Wir müssen an unsere Grenzen gehen und alles für den Verein geben“, sagte der 31 Jahre alte defensive Mittelfeldspieler vor den verbleibenden Partien beim BVB, gegen Augsburg, in Leverkusen und dem möglichen Showdown gegen den VfB Stuttgart. Der derzeit noch desolatere VfB tat dem Stevens-Team mit dem 0:6 in Augsburg einen Gefallen: Sechs Punkte Vorsprung und eine um 20 Treffer bessere Tordifferenz lassen den Gelsenkirchenern alle Möglichkeiten, 15. zu bleiben.
„Wir haben weiterhin alles in der eigenen Hand, das ist schon einmal wichtig“, sagte Caligiuri, der von einem überzeugt ist: Es sei keine Frage mangelnden Einsatzes oder Engagements beim Training. „Da ist jeder Spieler konzentriert und haut alles raus. Ein Spiel ist aber immer noch einmal etwas anderes. Da geht es um sehr, sehr viel. Da spielt auch der Kopf eine Rolle.“ dpa