Halle/München – Drei Niederlagen in Serie, 0:5 Tore, der Trend ist besorgniserregend beim TSV 1860. Das 0:3 in Halle am Karsamstag war die höchste Saisonpleite der Löwen – bei noch vier ausstehenden Spielen beträgt der Vorsprung auf die Abstiegszone noch sechs Punkte. Oder soll man sagen: Nur noch?
Die Leistung lässt nicht darauf schließen, dass zu den 44 Zählern noch weitere hinzukommen werden. Bei aller Verärgerung über die Unparteiischen, die Halles abseitsverdächtiges 1:0 zählen ließen und den Kopfball von Simon Lorenz zum möglichen 1:1 nicht mit vollem Durchmesser hinter der Linie sahen, musste Daniel Bierofka einräumen, dass sein Team an diesem Tag schlicht nicht konkurrenzfähig war. „Das Entscheidende war, dass wir die physische Präsenz und die Dynamik, die Halle auf den Platz gebracht hat, nicht eindämmen konnten“, bilanzierte der Coach. Seine Hoffnung: „Nächste Woche kommen wieder wichtige Spieler zurück, dann werden wir gegen den KSC (Samstag, 13.15 Uhr, ARD live) eine andere Löwen-Mannschaft sehen.“ Kapitän Felix Weber wird wegen seiner fünften gelben Karte fehlen.
Schmerzlich vermisst wurde zuletzt vor allem der gesperrte Efkan Bekiroglu, der nach seinem Spuckvergehen beim 1:1 in Braunschweig drei Spiele in der Zuschauerrolle verbringen musste. Ohne den Deutsch-Türken fehlten den Löwen die Überraschungsmomente im Aufbauspiel, weder der junge Dennis Dressel noch Phillipp Steinhart und Stefan Lex konnten den Ausfall kompensieren. Als ebenso unersetzlich erwies sich Sascha Mölders, dem seine fünfte Gelbe Karte beim 0:1 gegen Münster ein spielfreies Osterwochenende beschert hatte. Leihstürmer Prince Owusu wirkt überfordert, Linksaußen Nico Karger und Sechser Daniel Wein suchen ihre verlorene Form. Und Bierofkas Versuch mit Nono Koussou und Eric Weeger als Außen in der Fünferkette scheiterte kläglich, weil der Gegner die beiden Schwachstellen schnell erkannte und konsequent in die Lücken stieß.
Inwieweit der nun wieder aktuelle Abstiegskampf als Vorgeschmack auf die nächste Saison taugt, sei dahingestellt. Mehr Qualität und Konstanz bei geringerem Etat und anhaltender Unruhe in Führungsfragen sind nicht zu erwarten. Der frühere Löwen-Torwart Michael Hofmann verlieh seinem Unmut am Samstag im Bayerischen Rundfunk Ausdruck, als er sagte: „Für 1860 darf es nicht das Ziel sein, nächstes Jahr um Platz 15 zu spielen. Die müssen sich endlich zusammenreißen, dass nicht alle Spieler weglaufen. Aus dem Nachwuchs kommt kaum mehr was hoch. Es tut weh.“
Hofmanns vorösterliches Fazit hat Steintafel-Charakter: „Die Unruhe, diese politische Seite, wird dem Verein nie erfolgreich werden lassen – egal wer Trainer ist.“ Bleibt halt nur die Frage, wie „Erfolg“ im besonderen Falle des tief gespaltenen TSV 1860 definiert ist.
Das Restprogramm des TSV 1860:
Karlsruher SC (H)
FSV Zwickau (A)
Fortuna Köln (H)
Carl Zeiss Jena (A)