Bremen – Niko Kovac, der Trainer des FC Bayern, hatte es geahnt, dass es eine harte Nuss werden würde, dieses Pokal-Halbfinale gegen Werder Bremen am Mittwochabend. Es wurde eine sehr harte Nuss, wobei die Münchner zwischendurch das Ticket für diese Reise nach Berlin schon sicher zu haben schienen. Am Ende setzte sich der Rekordmeister 3:2 (1:0) in Bremen durch und hat am 25. Mai gegen RB Leipzig die Chance, zum 19. Mal den Pokal zu gewinnen. Kovac ist der erste Trainer seit den fünfziger Jahren, der in seinem dritten Pokalwettbewerb zum dritten Mal das Finale erreicht.
„Nüchtern und cool“,hatte der Bayern-Coach gesagt, müsse man an die Partie herangehen, „aber mit heißem Herzen“. Diese Vorgabe befolgten die Münchner im Weserstadion. Sie gingen 2:0 in Führung, mussten den Ausgleich hinnehmen, „da haben wir urplötzlich geschlafen und Fehler gemacht“, sagte Kovac – und schließlich doch noch gewonnen.
Die Bayern starteten wie erwartet, mit dem im Bundesliga-Spiel gegen die Norddeutschen geschonten Mats Hummels für den gesperrten Niklas Süle. Bei Werder konnte der angeschlagene Max Kruse doch mitmachen – und setzte sofort Akzente. Er leitete die erste kleine Chance für sein Team ein, die er danach auch selbst abschloss – aber sein Schuss ging weit über das Tor (8. Minute).
Es war schnell klar, dass es die Bayern mit einer anderen, spielfreudigeren und mutigeren, Bremer Mannschaft zu tun haben an diesem Pokalabend, als es jene vier Tage zuvor in München gewesen war. Werder hatte nach einer Halbzeit schon mehr Torschüsse als in der Bundesliga-Partie nach Abpfiff. Allerdings war das Ergebnis nach 45 Minuten so wie am Samstag nach 90: Der FC Bayern führte 1:0.
Nach der druckvollen Anfangsphase der Gastgeber fanden die Münchner besser ins Spiel. Nach zehn Minuten verpasste Thomas Müller die Führung, als er Kingsley Comans Flanke artistisch im Fünfmeterraum mit der Hacke annahm und aus der Drehung Richtung Tor zirkelte, der Ball jedoch ging knapp vorbei. Kurz darauf waren es wieder Coman und Müller, die für Gefahr sorgten, aber dieses Mal war das Knie von Niklas Moisander im Weg (16.). Coman machte von Anfang an Bremens Außenverteidiger Gebre Selassie das Leben ziemlich schwer.
Es entwickelte sich im ausverkauften Weserstadion ein unterhaltsames, spannendes Fußballspiel, in dem die Münchner war zwar wie üblich mehr Ballbesitz hatten, Bremen allerdings stets mit schnellem Umschaltspiel gefährlich blieb.
Während zunächst Hummels sich mit ein paar guten langen Bällen aus der eigenen Hälfte in Szene setzen konnte, war es schließlich der andere Innenverteidiger, Boateng, der die Münchner Führung mit einer Halbfeld-Flanke einleitete. Die war zwar etwas zu lang geraten, aber der unermüdliche Müller erreichte sie kurz vor der Torauslinie noch und köpfte in die Mitte. Der Ball landete im Tumult am Pfosten, sprang von dort zurück – zu Robert Lewandowski, der aus kurzer Distanz am geschlagenen Torhüter Pavlenka vorbei zum 1:0 einschoss (36.).
Die Gegenwehr der Bremer war noch nicht gebrochen. sie spielten weiter engagiert zügig vorwärts, aber getroffen hat zunächst noch einmal der FC Bayern, Müller vollendete nach Vorarbeit des eingewechselten Leon Goretzka zum 2:0 (63.). Doch dann kam Werder zurück – nach einem Doppelschlag von Osaka (74.) und Rashica (75.) stand es plötzlich 2:2.
Die Entscheidung brachte ein umstrittener Foulelfmeter – nach einem leichten Schubser von Gebre Selassie an Coman entschied Schiedsrichter Siebert auf Strafstoß, den Lewandowski zum 3:2 verwandelte (80.). Die Bayern ließen sich nun nicht mehr abbringen von ihrem Weg.