München – Bevor er in München aufschlägt, kämpft Peter Gojowczyk (29) in Budapest um Punkte. Heute trifft die Nummer 85 der Welt in der zweiten Runde auf den Georgier Nikolos Bassilaschwili (27), die Nummer vier der Setzliste. Als unsere Zeitung den Lokalmatador in der Woche zuvor im New Era Cafe an der Münchner Freiheit zum Gespräch bat, war die Atmosphäre noch locker und entspannt. Obwohl er sich für die BMW Open, die am Wochenende beginnen, einiges vornimmt.
Gojowczyk – München – BMW Open, in den letzten Jahren eine Kombination mit Seltenheitswert. Wie kommt es, dass Sie dieses Jahr aufschlagen?
Ich habe immer mit meinem Heimatturnier geliebäugelt, weil ich aus München komme und die Stadt liebe. Aber es hat zuletzt selten geklappt, zum Beispiel im letzten Jahr. Da war ich auf Platz 39 der Weltrangliste und dann haben natürlich die größeren Turniere wie beispielsweise Rom oder Madrid gelockt. Ich habe das auch mit Veranstalter Patrik Kühnen besprochen und er hat es verstanden. Umso mehr freue ich mich, dieses Jahr in München anzugreifen.
Was nehmen Sie sich vor?
Erst mal die Qualifikation schaffen. Das sind schon mal zwei Spiele und dann schaue ich im Hauptfeld von Runde zu Runde. Das Feld wird gut besetzt sein, aber den BMW würde ich schon gerne mitnehmen (grinst).
Sie kommen aus München, trainieren seit Jahren hier. Sind Sie trotz Ihrer Weltkarriere weiter hier verwurzelt?
Ganz klar ja, München ist meine Stadt! Meine Freunde und meine Familie leben hier und es ist immer toll, nach einem Turnier nach Hause zu kommen. Das Training in Unterföhring mit meinem Coach Alexander Satschko gibt mir auch sehr viel.
Wo finden Sie Ihre Regeneration im anstrengenden Tennisalltag?
Am liebsten gehe ich hier in München in ein Café und treffe mich dort mit Freunden. Oft lade ich sie auch zu mir nach Hause ein und koche dann ein Drei-Gänge-Menü. Das wird dann richtig zelebriert mit mir als leidenschaftlichem Koch, meistens schmeckt es auch (lacht). Ansonsten klassisches Stretching oder Yoga, dass hilft beides gut.
Bei welchem Essen wird Peter Gojowczyk selbst richtig schwach?
Na ja, so ein Schokoladensoufflé mit flüssigem Kern als Nachspeise ist ein richtiges Leckerli. Zum Glück schmecken mir aber auch Fleisch und Fisch extrem gut.
In Ihrer Karriere gab es immer wieder schwierige Phasen. Wie haben Sie sich immer wieder zurückgekämpft?
Ja, die gab es, zum Beispiel als ich 2013/14 Nummer 79 der Welt war und durch Verletzungen zurückgeworfen wurde. In so einer Phase brauchst du als Spitzensportler ein Team, das dir den Rücken stärkt. Meine Eltern allen voran, dann mein Physiotherapeut und mein Trainer. Und eins ist klar: Du musst selber nachdenken, was nicht so gut läuft, und dann versuchen, das zu ändern.
Ist das für Sie eigentlich zur Normalität geworden, Tennisprofi zu sein?
Na ja, wenn du die ganzen großen Turniere anschaust, die Grand Slams oder wie jetzt vor Kurzem Monte Carlo, dann ist das unglaublich, dort aufzuschlagen. Und wenn du gegen Nadal oder Federer spielst, ist das etwas Unvergessliches. Natürlich wird es aber nach einer Zeit auch zu einem Job, jeden Morgen rausgehen und Vollgas geben. Das Fliegen und das Leben aus dem Koffer sind auch nicht ohne, aber ich würde es gegen nichts in der Welt eintauschen.
Was war bisher das größte Spiel Ihrer Karriere?
Mein größtes Spiel ist und bleibt das Davis Cup-Match gegen Tsonga 2014 (damals Nummer zwölf der Welt, Anm. d. Red.). Debüt im Davis-Cup, in Frankreich in Nancy, Krämpfe und dann gewinnen, das vergisst du niemals.
Was wollen Sie noch erreichen?
In die Top 30 der Weltrangliste kommen und bei Olympia dabei sein.
Sie haben Fans auf der ganzen Welt. Gab es besondere Momente?
Ja. Diese Woche war erst ein Fan aus Fulda im Rollstuhl bei meinem Training und hat zugeschaut. Das berührt mich. Ich gebe auch immer gerne Autogramme und unterhalte mich mit den Tennisfans. Auf der anderen Seite gibt es nach Niederlagen teilweise heftige Shitstorms. Jetzt nach Monte Carlo gab es erst wieder 20 Nachrichten über die sozialen Netzwerke. Einmal hatte ich sogar eine Morddrohung. Mich lassen solche Hater aber relativ kalt, meistens lese ich die Nachrichten erst gar nicht.
Zum Abschluss: Wenn Sie noch mal ein ganz junger Tennisspieler wären, welche drei Ratschläge würden Sie sich selbst mit auf den Weg geben?
Als Erstes: Der Spaßfaktor muss extrem hoch sein! Wenn Tennis dir nicht wirklich absolut Spaß macht, dann suche dir lieber etwas anderes. Zweitens: Sei fleißig! Trainiere, wann immer es geht. Und Drittens: Du musst über deine Grenzen gehen und dich quälen können.
Interview: Roman Horschig