Mannheim erdrückt den EHC

von Redaktion

Meister München nach 0:4-Niederlage in der Finalserie mit 1:3 hinten – Fatale zwei Minuten

VON GÜNTER KLEIN

München – Nun muss sich der EHC München an eine alte Playoff-Weisheit klammern, bis die Finalserie um die Deutsche Eishockey-Meisterschaft am Freitag (19.30 Uhr) in der Mannheimer Arena in ihren fünften Akt geht. Die Weisheit besagt, dass der Sieg am schwersten fällt, der der entscheidende sein kann. So gesehen liegt der Druck nun bei den Adlern Mannheim, die am Mittwochabend Spiel vier in München 4:0 (0:0, 3:0, 1:0) gewannen und mit 3:1 führen. Eine so knifflige Ausgangsposition hatte der EHC München in seiner Playoff-Geschichte noch nie. Noch eine Niederlage – und der Titel wäre ihm entglitten.

Münchens Trainer Don Jackson hatte zu einem alten Hausmittel gegriffen, um seinem Team einen Impuls zu geben: Er bastelte die Sturmreihen neu zusammen. Nicht so wild, wie es auf dem offiziellen Spielberichtsbogen stand, wo die durch Verletzungen von Stammkräften (Voakes, Shugg, Kastner) nachgerückten jungen Spieler (Tobias Eder, Daubner, Mayenschein) brav auf die Reihen verteilt wurden, aber es blieb keines der eingespielten Trios zusammen. Und irgendwann stürmte auch Ryan Button, gelernter Verteidiger, mit. Das Ziel der Neuformationen: anders anfangen. „Zuletzt“, monierte Christian Winkler, „hatten wir immer den Start verschlafen“. Der Manager, den es ans Mikrofon von Magentasport drängte, sah in den ersten zwanzig Minuten „das beste Drittel der Serie, zwei Mannschaften spielen mit offenem Visier“. Das war in der Tat mitreißend. Das Tempo: weit über DEL-Norm. Große Torwartmomente auf beiden Seiten, Münchens Danny Aus den Birken lieferte seinen Monstersave gegen den Finnen Tommi Huhtala (17.).

Doch die Münchner Hoffnung, in der Serie auszugleichen, verflog innerhalb von 2:06 Minuten. Zwischen der 24. und 26. Minute entfaltete Mannheim seine Klasse. 0:1 durch Verteidiger Cody Lampl – Edelreservist, erster Playoff-Einsatz. 0:2 durch Ben Smith, der einen initiativlosen EHC-Abwehrspieler Bodnarchuk umkurvte. 0:3 durch Phil Hungerecker. „Wir haben die Scheiben nicht weggebracht“, resümierte Yasin Ehliz vom EHC in der zweiten Drittelpause. Und bei allen offensiven Bemühungen: Nach vierzig Minuten standen für München nur neun Torschüsse in der Statistik (Mannheim 20).

Die Adler verloren in Münchner Druckphasen nie die Übersicht, ihr Supertalent Moritz Seider, seit kurzem 18, orchestrierte aus der Abwehr heraus die gefährlichen Angriffe. Ins letzte Drittel stieg Mannheim mit dem Treffer zum 4:0 ein (Plachta/42.), Danny Aus den Birken, der dabei nicht gut aussah, überließ den Rest des Abends seinem Vertreter Kevin Reich. Auch dies ein Versuch, noch einen Neuanfang zu signalisieren.

Der EHC bemühte sich, Mannheim noch einen guten letzten Eindruck von sich mitzugeben, doch Adler-Keeper Dennis Endras, der noch eine Doppelchance von Mayenschein killte, ließ keinen Münchner Treffer zu.

Für den EHC war es womöglich bis wahrscheinlich das letzte Heimspiel der Saison. Und für Kapitän Wolf das letzte der Karriere.

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