Mit der Rakete ins Finale

von Redaktion

Im Pokal-Endspiel in Berlin gipfelt die Entwicklung von RB Leipzig – vorerst

Hamburg – Ralf Rangnick muss sich wie ein erfolgreicher Imperator fühlen. Erstmals Einzug ins Pokal-Finale, nur noch Millimeter von der zweiten Teilnahme an der Champions League entfernt, in der Bundesliga Platz drei – und das alles in Raketentempo. „Da kann man nur den Hut ziehen vor dieser Mannschaft“, sagte der Trainer und Macher von RB Leipzig ungewohnt gerührt. Am späten Dienstagabend hatte seine Mannschaft mit 3:1 den verdienten Sieg im DFB-Pokal-Halbfinale gegen den Zweitligisten Hamburger SV perfekt gemacht und damit für die erste große Titelchance des erst seit zehn Jahren bestehenden Clubs gesorgt.

Rangnick genoss die anerkennenden Blicke um ihn herum. „Wenn du im dritten Bundesliga-Jahr die Chance hast, einen Titel zu gewinnen, sagt das alles aus“, sagte der 60-Jährige stolz und zählte auf: „Drei Jahre in der Bundesliga, dreimal für den internationalen Wettbewerb qualifiziert und zweimal sogar für die Champions League.“ Sein Geschäftsführer Oliver Mintzlaff war nicht weniger feierlich zumute. „Das ist für uns unfassbar. Vor zehn Jahren waren wir noch in der 5. Liga. Dass wir jetzt im Finale stehen, müssen wir als junger Verein erst einmal begreifen.“

Von Fans anderer Vereine oftmals als Retorten- und Brauseclub gegeißelt, von Verantwortlichen in Konkurrenzclubs mit spitzen Bemerkungen bedacht – RB Leipzig gehören in der Bundesliga nicht die Sympathien. Der Vorwurf, als Kunstprodukt über keine Tradition zu verfügen und sich mit einem Milliardär im Rücken den Erfolg zu kaufen, schmerzt die Sachsen. Es scheint jedoch, als würden sie Schmährufe erst recht anstacheln. Tradition allein, das zeigen andere Vereine wie etwa der Halbfinal-Gegner HSV, ist kein Erfolgsnachweis.

Rangnick, der als eigentlicher Sportdirektor den Trainerjob für diese Saison übernommen hat und im Sommer von Julian Nagelsmann abgelöst wird, scheint ein Erfolgs-Gen zu besitzen. Schon als Coach der TSG Hoffenheim peitschte er den Club binnen zwei Spieljahren von der Drittklassigkeit in die Bundesliga. In Leipzig überlässt der seit 2012 als Sportdirektor tätige Schwabe nichts dem Zufall. Beim ersten Abstecher auf den Trainerposten hatte er das Team 2016 in die Bundesliga geführt. „Wir werden immer reifer, gewinnen an Qualität, an Abgezocktheit – und dieser Weg ist noch nicht zu Ende“, sagt Kapitän Willi Orban.

Schlüsselspieler wie Peter Gulácsi, Willi Orban, Marcel Sabitzer, Marcel Halstenberg sowie Dienstag-Torschützen Yussuf Poulsen und Emil Forsberg sind mindestens seit vier Jahren im Verein. Das Prinzip in Leipzig heißt keineswegs kaufen und verkaufen und noch teurer kaufen. Strategische Arbeit ist die Herangehensweise, von der sich andere. „Dieses Mannschaftsgefüge, das wir jetzt haben, hatten wir so noch nie. Deshalb spielen wir jetzt den attraktivsten und erfolgreichsten Fußball, den wir je gespielt haben“, sagt Mintzlaff.

Die Leipziger sind neben dem FC Bayern das Top-Team der Rückrunde. Auswärts stanzen sie schon seit neun Pflichtspielen alles nieder. Niederlagen sind beinahe aus der Erinnerung gefallen. Die letzte geschah vor 15 Pflichtspielen. Selbst dem Aus in der Europa League im vergangenen Herbst konnte Rangnick Positives abgewinnen. Er verwies auf Europa-League-Halbfinalist Eintracht Frankfurt. Diese hätten „den einen oder anderen Tribut für die lange Euro-League-Reise in der Bundesliga gezahlt“. Seine Leipziger, so scheint es, haben noch reichlich Luft.  dpa

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