Deggendorf – Es sind nicht die Stadien, die Leon Draisaitl, Dominik Kahun und Korbinian Holzer gewohnt sind. Sie gehen ihrem Beruf als Eishockey-Profi in Nordamerika, in der NHL, nach. Wo Arenen Entertainment-Tempel sind und schon mal 20 000 Sitzplätze anbieten.
Hingegen Regenburg, wo die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft heute (19 Uhr) auf Österreich trifft: Platz für nur etwas mehr als 4000 Leute, hinter einem der beiden Tore ist die Stadionkneipe. Oder noch markanter: Deggendorf, wo gegen denselben Testgegner am Samstag (20 Uhr) angetreten wird: Fassungsvermögen 2790, viel Beton, kaum Sitzschalen, 246, um genau zu sein.
Drsaisaitl, Kahun und Holzer spielen für die Edmonton Oilers, die Chicago Blackhawks und die Anaheim Ducks. Doch es stört sie kein bisschen, einige Tage in einfacherem Ambiente zuzubringen. Dominik Kahun erinnert sich, „dass ich in Deggendorf als Kleinstschüler mit Weiden mal ein Turnier gespielt habe“, Holzer war vor über zehn Jahren eine Saison in Regensburg: „Mit 17, 18, das erste Mal weg von zuhause. Ich hatte viel Eiszeit, das war gut für meine Entwicklung. Im Sommer danach haben mich die Toronto Maple Leafs gedraftet.“ Für ihn war es keine Frage, dass er für die WM (ab 10. Mai in der Slowakei) zusagt. Und zur WM, bei der dann einige Weltstars auftauchen werden, gehören auch die Tests, zu denen der Deutsche Eishockey-Bund gerne in kleinere Hallen und an die Basis geht.
Leon Draisaitl hat sich nie lange bitten lassen, er ist der Einladung zur WM immer gefolgt. Jedes Mal kam er als die wieder größer gewordene Nummer. Hinter dem gebürtigen Kölner liegt nun die historische Saison, in der er als erster Deutscher in der NHL mehr als 50 Tore geschossen und über 100 Scorerpunkte erzielt hat. Er ist so gut wie die besten Russen und Kanadier, uneingeschränkte Weltklasse. Kahun, sein Kumpel seit gemeinsamen Zeiten in Mannheimer Jugendinternat, hat in Chicago eine gute Premierensaison in der NHL bestritten, „ich habe die 82 Spiele geschafft“, sagt der Ex-Münchner, der „eine neue Rolle annehmen musste: Ich war nicht mehr Mittel-, sondern Außenstürmer.“
Für Verteidiger Holzer lief es in der Schlussphase der Saison gut. Er war in Anaheim die letzten Spiele über Stammkraft „mit 20 bis 22 Minuten Eiszeit pro Spiel“. Diese Praxis erachtet er als „für die WM hilfreich“. Sein Ziel: „Ich will in der Nationalmannschaft Führungsspieler sein, mit Leistung vorangehen.“
Der neue Bundestrainer Toni Söderholm will seine NHL-Kräfte Kahun und Draisaitl vorerst in getrennten Sturmreihen einsetzen. „Zusammenbringen“, sagt der Finne, „kann ich sie ja jederzeit“. GÜNTER KLEIN