Als der Trainer Ralf Rangnick im Jahr 2005 mit Schalke das erste Mal im Finale des DFB-Pokals in Berlin spielte (und verlor), gab es einen Fußballverein mit dem Namen RB Leipzig noch gar nicht. Als er 2011 mit Schalke das zweite Mal dort spielte (und gewann), gab es dieses RB Leipzig dann schon, jedoch noch versteckt, in der Regionalliga Nord. Am 25. Mai wird Rangnick das dritte Mal um den Pokal spielen – nun aber mit eben jenem RB Leipzig, das dann gerade einmal zehn Jahre alt sein wird. Das sei daher, so Rangnick, „etwas zum stolz darauf sein.“ Nur hinterlässt dieser Abend, an dem sich Leipzig erstmals für ein großes Finale qualifizierte, auch mal wieder die Frage: Wie stolz kann man darauf eigentlich wirklich sein?
Man muss nämlich gewiss nicht anerkennend applaudieren, dass ein Weltkonzern (Red Bull) einen ostdeutschen Sportverein (Leipzig) in Raketengeschwindigkeit bis ins Pokalfinale finanziert hat. Man darf es sehr wohl ablehnen, dass Leipzig Fußballer regelmäßig aus Österreich kauft, von einem Club, der FC Red Bull Salzburg heißt, mit dem man in Leipzig aber angeblich nichts zu tun hat. Und man darf es erst recht bedenklich finden, dass Kritik dort überhaupt nicht anzukommen scheint. Mit Dietrich Mateschitz, dem umstrittenen Red-Bull-Chef, hat man da noch gar nicht angefangen.
Man sollte diese Dinge niemals vergessen – und trotzdem ein Kompliment verteilen dürfen. Denn auf einem verrückten Fußballmarkt mit noch viel verrückteren Preisen spannt die Red-Bull-Gruppe mit ihren unendlichen Möglichkeiten ein Netz über die ganze Welt. Sie unterhält Filialen in Leipzig, Salzburg, New York und jetzt auch in Bragantino, einer Stadt im brasilianischen Bundesstaat São Paulo. Der FC Bayern hat für 80 Millionen Euro einen Weltmeister gekauft, RB Leipzig will die Fußballer erwischen, bevor sie überhaupt 80 Millionen Euro teure Weltmeister sind. Das gilt übrigens nicht nur für Spieler. Sie haben Julian Nagelsmann verpflichtet, den vielversprechendsten jungen Trainer in Deutschland, der taktisch flexibler ist als Ralf Rangnick. Es muss einem nicht gefallen, aber im Fall Leipzig kommt man gar nicht um folgende Prognose herum: Sie werden noch besser.
Der Sportinformationsdienst hat den Einzug von RB Leipzig ins Pokalfinale übrigens ein „Fußball-Märchen“ genannt. Das ist schlicht falsch. Es war keine wundersame Begebenheit, die Leipzig dorthin geführt hat, wo es jetzt ist. Es war ein Businessplan, der in Zukunft vielleicht sogar dem FC Bayern gefährlich werden kann.
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