„Du weißt: Am Samstag ist Krieg“

von Redaktion

Dortmund und Schalke 04 beschwören die Derbystimmung – doch die Vorzeichen sind so klar wie nie zuvor

Dortmund – Die Bayern-Jäger von Borussia Dortmund sogen vor rund 2000 Fans einen Hauch von Derby-Atmosphäre auf, der abgestürzte Vizemeister Schalke 04 schwor sich mit alten Zeiten auf die Reise zum Erzrivalen ein. „Beide Teams haben Druck, der eine ist nur etwas positiver als der andere“, sagte S04-Trainer Huub Stevens zwei Tage vor dem 176. Revierderby. 35 Kilometer entfernt blieb Lucien Favre gewohnt defensiv: „Wir müssen uns auf unsere Leistung konzentrieren.“

Am Samstag (15.30 Uhr/Sky und ARD) könnte der Tabellenzweite im Fernduell mit Rekordmeister FC Bayern zumindest über Nacht die Spitze übernehmen. Die Königsblauen haben andere Sorgen: Sie wollen im ersten Gastspiel beim BVB seit dem legendären 4:4 ihre Fans für eine üble Spielzeit entschädigen. „Du weißt am Montag schon: Am Samstag ist Krieg“, sagte Schalkes Vize-Kapitän Benjamin Stambouli. „Mit einem Sieg wäre die Saison ein bisschen besser.“

Am Dienstag zeigte Stevens seinem Team einige Szenen vom Aufeinandertreffen im November 2017 – jenem Spiel, in dem Schalke nach einem Vier-Tore-Rückstand noch das größte Comeback der Derby-Geschichte gelang. „Danach möchtest du, dass schon Samstag ist“, sagte Stambouli. Sein Trainer Stevens wollte die Mannschaft aufbauen, sie ablenken von den schlechten Resultaten der vergangenen Wochen.

Kein Wunder. Nach nur einem Sieg aus den vergangenen zwölf Ligaspielen liegt seine abstiegsgefährdete Mannschaft mental am Boden. Nicht zuletzt die erneute Suspendierung des Algeriers Nabil Bentaleb in die U23 wegen einer weiteren „disziplinarischen Verfehlung“ sorgte am Mittwoch für weitere Unruhe. „Ich gehe nicht in Details. Glauben Sie mir eines: Es ist nicht umsonst, dass wir zu dieser Maßnahme greifen mussten“, sagte Stevens.

Ganz anders ist die Stimmung in Dortmund. „Wir wollen den Derbysieg“, skandierten die zahlreich erschienenen Fans bei einer der seltenen öffentlichen Einheiten am Dortmunder Trainingsgelände in Brackel. Zehn Kamerateams verfolgten die letzten Übungen vor dem Duell, das vorab wohl nur selten eine derart klare Vorzeichen gehabt hat. 42 Punkte Differenz – so viele wie nie.

„Natürlich sind wir der Favorit, aber das bedeutet nicht, dass es einfach wird. Beide Mannschaft haben alles zu verlieren und zu gewinnen“, sagte Dortmunds Mittelfeldspieler Thomas Delaney nach dem Training. Kapitän Marco Reus hatte bereits nach dem 4:0 in Freiburg betont: „Wir wollen weiter dranbleiben, dann müssen wir auch Schalke weghauen.“

Favre möchte sich von der Schalker Tabellensituation mit sechs Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz nicht blenden lassen. „Die letzten Spiele von Schalke waren immer sehr eng. Sie sind bei Balleroberungen und Standards gefährlich“, sagte der Schweizer, der im Dezember bei seiner Derby Premiere mit dem BVB den ersten Sieg auf Schalke seit fünf Jahren gefeiert hatte (2:1).

Nun ergibt sich die seltene Chance, beide Duelle für sich zu entscheiden. Ein gutes Omen wäre das: Als den Schwarz-Gelben dies 2011/2012 zuletzt gelang, wurden sie auch Meister.  sid

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